Frankreich 2007

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Bis Ende März musste ich meinen Resturlaub nehmen, damit er nicht verfällt. Eigentlich hätte das für 2 Wochen Motorradurlaub gereicht. Leider spielte das Wetter nicht mit, sodass ich die ursprünglich angedachte Tour in Richtung iberischer Halbinsel erstmal auf Eis legen musste.

Als der Wetterbericht zumindest für die letzte März-Woche gutes Wetter vorhersagte, plante ich spontan eine Rundtour durch Frankreich. Ich wollte mir das Zentralmassiv ansehen und dann mal schauen, ob der schneearme Winter einen Rückweg durch die Alpen zulassen würde.

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Die Tour

Tag 1

Am Samstagmorgen um 8 Uhr mache ich mich bei dichtem Nebel auf den Weg. Zunächst nehme ich die Autobahn bis Lüttich, wo sich der Nebel ein wenig lichtet. Dann fahre ich entlang der Meuse (a.k.a. Maas) in Richtung Süden. Für die Übernachtung habe ich mir ein Zimmer im B&B-Hotel in Dijon reserviert und der Weg dorthin sollte dem Lauf der Meuse bis zur ihrer Quelle folgen.

Die ersten 50 Kilometer am Lüttich sind nicht wirklich empfehlenswert. Lüttich und Seraing bringe ich schnellstmöglich hinter mich. Ab Huy wird das Tal wesentlich schöner, auch wenn ich bei dem trüben Wetter nicht allzu viel davon sehen kann. Vorbei an Namur folgte ich dem Fluss durch die Ardennen und komme schliesslich nach Frankreich. Hinter den Ardennen wird die Landschaft langweiliger, aber es gibt immer wieder interessante Dinge an der Route wie die zahlreichen Schleusen des Canal de l’ Est, viele kleine Orte, in denen die Zeit still zu stehen scheint sowie rund um Verdun die zahlreichen Erinnerungen an die Schlacht im Jahr 1916.

Die Meuse wird im Verlaug immer schmaler und fliesst nun teilweise mitten durch Felder, sodass ich nur noch vereinzelt darauf treffe. Eine Baustelle zwingt mich dann zu einem größeren Umweg, sodass ich erst in Pouilly-en-Bassigny wieder auf die Meuse treffe. Sie fließt hier in einem kleinen Graben neben der D130 und wenn nicht ein Gedenkstein auf die Quelle hinweisen würde, würde sie wohl kaum jemand finden.

Kurz darauf überquere ich die Wasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer. Pech für die Meuse, wenige hundert Meter zu weit im Norden zu entspringen. Wenn ich ein Fluss wäre, würde ich das Mittelmeer der Nordsee als Ziel vorziehen.

Auf kleinen Straßen bringe ich dann die letzten Kilometer, teilweise begleitet vom Canal entre Champagne et Bourgogne (früher: Canal de la Marne à la Saône), hinter mich. Gegen 18:30 Uhr treffe ich dann im B&B-Hotel in Dijon ein. Abendessen gibt es im benachbarten Schnellrestaurant.

Tag 2

Die 636 km gestern waren doch etwas anstregender als gedacht, sodass ich mich erst kurz nach 9 Uhr wieder auf den Weg mache. Das Wetter hat sich leider nur unwesentlich gebessert. So rolle ich unter einer dicken Wolkenschicht auf der N74 an den Weingütern der Bourgogne vorbei bis Beaune. Auf der Höhe von Chalon-sur-Saône führt die Route dann südwestlich zum Zentralmassiv. Kurz vor Mittag mache ich eine kurze Pause am Resistance-Denkmal auf dem Mont Châtelard bei Beaubery, als endlich kam die Sonne raus kommt. Trotz des Sonnenscheins ist es aber noch ziemlich kalt. Auf dem 825 m hohen Col des Ecorbans liegen noch rund 30 cm Schnee.

Die Tour gleicht einer Kneipp-Kur: Warme Täler und schneebedeckte Hügel wechselten ständig. Erst als ich südlich von Roanne das Tal der Loire erreiche, wird es dauerhaft warm. Bei Feurs machte ich am frühen Nachmittag eine Pause an einem Schnellimbiss. Frisch gestärkt folge ich dem Lauf der Loire nach Süden. Um etwas schneller vorwärts zu kommen, nehme ich die N88 über den noch verschneiten Col de Pertuis . Auf kleinsten Straßen erreiche ich das Tal des Allier, den ich bei Jonchères auf einer wenig Vertrauen erweckenden Brücke überquere. Kurz darauf machte ich am Stausee von Naussac eine kurze Pause und geniesse das inzwischen tolle Wetter. Über den Col de la Pierre Plantée gelange ich das Tal des Lot und einige Kilometer später liegt die Tarn-Schlucht vor mir. Dem Tarn folgte ich denn bis nach Millau, dem Ziel der heutigen Etappe.

Bevor ich das Hotel ansteuere, mache ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Aussichtspunkt, um morgen früh ein paar schöne Fotos vom Viaduc de Millau zu machen. Erst nach Sonnenuntergang mache ich dann auf den Weg nach unten. Gegen 18:40 Uhr checke ich dann nach 569 km im Campanile-Hotel ein. Das Zimmer habe ich schon im Vorfeld reserviert.

Tag 3

Am Morgen ist es eiskalt. Kurz vor 8 Uhr steige ich nach einem ausgiebigen Frühstück auf das von einer dicken Reifschicht überzogene Motorrad. Das Thermometer zeigt -3 Grad. Es folgte eine ausgiebige Foto-Tour zur Brücke. Dann fahre ich zurück zum Hotel, packe meine Taschen in die Koffer und checke aus.

Zunächst folge ich dem Tarn flussaufwärts. Die frühe Uhrzeit sorgt leider dafür, dass es unten in der Schlucht noch ziemlich dunkel und kalt ist. Ein kurzer Abstecher zum Point Sublime bei St.-Georges-de-Levéjac erweist sich als gute Idee. Hier oben scheint die Sonne und es gibt eine tolle Aussicht. Ich folge weiter dem Tarn flussaufwärts so weit wie möglich. Im Gegensatz zur Quelle der Meuse ist die des Tarns nicht mit dem Motorrad zu erreichen.

Der Col de la Chavade in der Nähe der Quelle der Ardèche ist das nächste Zwischenziel. Dann folge ich der Ardèche bis zur ihrer Mündung in die Rhone bei Pont-Saint-Esprit.

Nach 432 km erreiche ich gegen 19 Uhr das Village-Hotel in Orange, wo ich problemlos ein Zimmer bekomme. Für das Abendessen bietet sich die benachbarte McDonalds-Filiale an. Dutzende deutsche Jugendliche auf Schulausflug und der Lärm von Tokio-Hotel aus den Lautsprechern vertreiben leider jedes Urlaubsgefühl.

Tag 4

Nach einem bescheidenen Frühstück (spärliches französisches Frühstück im Billighotel – mehr habe ich auch nicht erwartet) mache ich mich um 8:30 Uhr unterwegs. Im Vergleich zum Vortag ist es rund 15 Grad wärmer. Bei wolkenlosem Himmel machte ich mich auf den Weg zum Mont Ventoux, den ich schon die ganze Zeit vor mir sehe. Leider steht kurz hinter Malaucène das Schild, das die Weiterfahrt nur bis zum Mont Serein, 6 km vor dem Gipfel, möglich ist. In der Hoffnung, vielleicht doch weiter fahren zu können, nehme ich den Berg in Angriff. Aber leider ist am Mont Serein wirklich Schluss. Nach ein paar Fotos fahre ich also den gleichen Weg wieder runter.

Nächstes Ziel ist der Signal de Lure (1.826 m). Ein Schild am Ortsende von Sainte-Étienne-les-Orgues gibt die Fahrt bis zum Gipfel frei, die Weiterfahrt über den Pas de la Graille ist aber gesperrt. Trotzdem mache ich auf den Weg nach oben. Problemlos erreiche ich den höchsten Punkt der Strasse und mache sogar noch einen Abstecher zur Relaisstation der französischen Post auf dem Gipfel. Den Blick auf den Alpenhauptkamm trüben leider dicke Wolken, die im Osten aufgezogen sind.

Trotz des Schildes im Tal möchte ich die Abfahrt über den Pas de la Graille versuchen. Die Passhöhe ist noch problemlos erreichbar, direkt dahinter ist aber die im Schatten liegende Nordrampe teilweise mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Dank Stollenreifen ist die Abfahrt aber gar kein Problem. Außerdem ist im Schnee schon eine frische Motorradspur zu erkennen. Ich bin also nicht der Erste. Unterhalb von 1.000 m sind dann auch die letzten Schneereste verschwunden, sodass ich ohne Probleme das Durance-Tal erreiche.

Von hier nehme ich auf kleinen Straßen direkten Kurs auf den Lac de Sainte-Croix. Während der Fahrt entlang der Nordseite der Verdun-Schlucht beginnt es dann zu regnen und der Regen geht mit zunehmender Höhe in Schneeregen über. Bei Castellane treffe ich dann wieder auf die Route Napoléon, der ich nach Digne-les-Bains folge. Der Regen hat auf den letzten Kilometern nachgelassen, aber am Ortsausgang von Digne fängt es an zu schütten.

Ca. 1 km vor dem Col du Labouret fallen dann dicke Schneeflocken. Meine Hoffnung, dass es hinter dem Pass (den ich zum ersten Mal befahre) wieder runter ins Tal geht und der Schnee wieder in Regen übergeht, erfülle sich leider nicht. Während der Fahrt über das Hochplateau schneit es weiter und die nasse Straße wird von den Rändern aus immer weisser, während die Finger wegen des permanenten Schnee-vom-Visier-Wischens immer kälter werden. Erst nach rund 20 km senkt sich die Straße wieder ins Tal und es regnet endlich wieder.

Den Lac de Serre-Poncon umfahre ich auf der Westseite und fahre dann zügig auf der N94 nach Briancon. Der Versuch, mit Hilfe des Navis die Auberge de la Paix zu finden, scheitert leider kläglich. Die vom Navi empfohlene Treppe möchte ich dann doch nicht fahren. Auf eigene Faust und unter Missachtung einiger Verkehrsregeln finde ich dann doch das Hotel in der Altstatt von Briancon. Zum Glück ist auch noch ein Zimmer frei.

Nachdem ich mich aufgewärmt habe, mache ich auf die Suche nach etwas Essbarem. Da keine Touristen-Saison ist, haben die meisten Restaurants geschlossen. Die wenigen geöffneten, inklusive des Restaurants im Hotel, bieten nur Raclette in allen möglichen Variationen zu gesalzenen Preisen. Nach einigem Suchen finde ich dann eine Pizzeria und geniesse Pizza und Wein. Erst spät bin ich dann nach einem Rundgang durch die Stadt wieder im Hotel.

(Eigentlich hatte ich überlegt, im Sommer eine Woche in der Auberge de la Paix Urlaub zu machen. Aber der Zustand des Zimmer, besonders der sanitären Einrichtung, verbunden mit dem nicht gerade günstigen Preis, werden mich wohl zum Zelt greifen lassen.)

Tag 5

Bei gutem Wetter mache ich mich nach einem sparsamen Frühstück auf dem Weg. Die letzten Wolken ziehen ab und die Berge rund um Briancon präsentieren sich in winterlichem Weiß. Noch ist nicht klar, wie die heutige Route verlaufen wird. Der Schneefall gestern könnte meinen Plan, über den 2.060 m hohen Col du Lautaret zu fahren, vereiteln. Das Schild am Ortsausgang von Briancon besagt dann auch, dass der Pass nur mit Winterausrüstung zu befahren sei. Trotzdem mache ich mich auf den Weg.

Inzwischen sind auch die letzten Wolken verschwunden, sodass die weißen Berge einen tollen Kontrast zu dem blauen Himmel bildeten. Davon hatte ich schon immer geträumt: blauer Himmel, weiße Berge und trockene Straßen. Ohne Probleme erreiche ich auf der bestens geräumten Straße die Passhöhe des Lautaret. Von der Straße, die dort zum Col du Galibier abzweigt, ist nichts zu erkennen. Aber den habe ich eh nicht eingeplant. Die Westrampe des Lautaret in Richtung Grenoble ist ebenso problemlos befahrbar wie die Ostrampe.

Über den Col d’ Ornon komme ich ins Tal des Drac. Es ist kurz vor Mittag und irgendwie habe ich noch keine Lust, den direkten Heimweg anzutreten. Da ich den Vercors-Nationalpark direkt vor der Nase habe beschliesse ich, dort noch eine ausgiebige Runde zu drehen. Spannend wird es an der Auffahrt zum Col de Menée. Die Strasse ist auf den letzten Kilometern vor der Scheiteltunnel von einer dünnen Schneeschicht bedeckt, die aber erstaunlicherweise sehr griffig ist. Auf der sonnenbeschienenen Südrampe ist dann keine Spur mehr von Schnee zu sehen. Das ändert sich hinter dem Col de Rousset wieder. Auf dem Hochplateau ist es sehr winterlich, aber die Strassen sind frei.

Während der Fahrt von Pont-en-Royans durch die Gorges de la Bourne fängt es dann leider an zu regnen und am östlichen Ende der Schlucht schneit es sogar wieder. Aber zum Glück nur kurz. Am späten Nachmittag lande ich im Berufsverkehr von Grenoble. Da das Wetter wieder gut ist, beschliesse ich, den Weg mitten durch das Massiv de la Chartreuse zu nehmen und dann in Chambéry ein Zimmer zu suchen. Schöne Aussicht gibt es auf der Strecke nicht, aber deutlich mehr Kurven und weniger Verkehr als auf der Hauptstrasse unten im Tal.

In La-Motte-Servolex versuche ich im 1er-Class-Hotel ein Zimmer zu bekommen. Leider ist schon alles ausgebucht. Nebenan im Campanile war ebensowenig ein Zimmer zu bekommen wie im benachbarten Formule-1. Erst im B&B-Hotel am anderen Ende der Stadt finde ich ein Zimmer und im McD um die Ecke ein Abendessen. Dann geht es früh ins Bett, weil der Heimweg morgen wird lang.

Tag 6

Der letzte Tag dieser Tour beginnt um 8 Uhr mit dem typischen B&B-Frühstück. Eine halbe Stunde später sitze ich auf der Adventure. Leider ist der Col de la Grand Colombier noch wegen Schnee gesperrt, sodass ich zunächst weiter der Rhône folge. Dann durchquere ich den verschneiten Jura. Am Lac de Joux beginnt es leider wieder zu regnen.

In Pontarlier beginnt dann nach einer Mittagspause kurz nach 13 Uhr die eigentliche Heimfahrt. Vorbei an Besancon geht es bei Luxeuil-les-Bains auf die Nationalstrasse und ab Nancy nehme ich bis Luxemburg die Autobahn. Auf direktem Weg es geht einmal quer durch das Grossherzogtum zum letzten Tankstopp in Wemperhardt. Über Sankt-Vith, Malmedy und Eupen erreiche um 19:30 Uhr meine Tiefgarage in Walheim.

Insgesamt habe ich in den letzten 6 Tagen 3.335 km zurückgelegt und der überwiegende Teil davon hat sich auch wirklich gelohnt. Abgesehen von ein paar Stunden Schnee und Regen hatte ich deutlich besseres Wetter als erwartet. Beim nächsten Mal werde ich die Tagesetappen aber ein wenig kürzer planen. Durchschnittlich 550 km pro Tag sind dann doch ein wenig anstrengend.