Schottland 2012

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Seit Wochen berichten die Nachrichten von ausgedehnten Waldbränden und Hitze von über 40°C in Süd-Europa. Die geplante Tour nach Spanien muss also ausfallen und auch Italien ist aktuell keine Alternative. So wird Schottland kurzfristig zum Ziel meiner Tour bestimmt. Der Wetterbericht sagt Temperaturen um 20°C und wenig Niederschlag voraus. Was will man mehr?

Die Fähre von Amsterdam bzw IJmuiden nach Newcastle upon Tine (Abfahrt am 28.082012 um 17:30 Uhr) ist schnell übers Internet gebucht. Ebenso die Hotels für die Zwischenübernachtung im Hunsrück und die ersten beiden Nächte auf der Insel. Und schon kann es losgehen.

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Die Anreise

Tag 1

Am Montagmorgen wird noch schnell gepackt und kurz vor Mittag mache ich mich auf den Weg. Durch den Schwarzwald geht es an den Rhein. Unterwegs hat mein Navi immer wieder kleine Aussetzer. Beim Warten an der Fähre nach Drusenheim steigt das Gerät komplett aus. Für den weiteren Weg in den Hunsrück nehme ich dann lieber Schnellstrassen und Autobahnen. Auf Nebenstrassen würde ich mich wohl hoffnungslos verfahren. Hoffentlich lässt sich das Navi wiederbeleben. Sonst kann die Tour sehr mühsam werden.

Am Abend im Hotel Münster in Emmelshausen vergesse ich vor lauter Kampf mit dem Navi (Hard-Reset, Soft-Reset, Firmware-Update etc.) sogar das Abendessen. Aber das Gerät streikt weiter. Dann bringt ein Telefonat mit Kumpel Michael die Rettung: ich kann mir sein Navi ausleihen. Und morgen komme ich sowieso in der Nähe vorbei.

Tag 2

Nach einem ausgiebigen Frühstück mache ich mich auf den Weg zur Fähre. Zuerst geht es noch ein Stück durch den Hunsrück und dann bei Löf über die Mosel. Bei Mayen erreiche ich die mir bestens bekannte B258 und folge Ihr durch die Eifel in Richtung Aachen. Kurz vor Mittag wird noch das Navi bei Michael getauscht und dann geht es auf der Autobahn durch die Niederlande.

Planmässig um 15:00 Uhr erreiche ich den Hafen von IJmuiden. Nach der Ausweiskontrolle durch britische Zöllner kann ich mich in den Pulk der wartenden Fahrzeuge direkt neben der King Seaways einreihen.

90 Minuten vor der Abfahrt beginnt die Verladung. Motorräder werden in einem schmalen Gang auf der rechten Seite des Schiffs untergebracht. Für das Verzurren ist, anders als ich es von den Mittelmeerfähren kenne, jeder selbst verantwortlich. Geeignete Spanngurte stehen aber in ausreichender Menge zur Verfügung. Als Befestigungspunkte dienen am Boden gespannte Stahlseile, in die die Spanngurte nur eingehakt werden.

Dann beginnt die Suche nach meiner Kabine. Das Motorrad auf Deck 4, die Kabine auf Deck 5. Das sollte eigentlich recht einfach sein. Nicht so auf der King Seaways. Ich muss erstmal auf der einen Seite 3 Decks rauf, was mit Motorrad-Klamotten und Gepäck sehr schweisstreibend ist. Dann auf der anderen Seite wieder 2 Decks runter.

Nach scheinbar endloser Sucherei habe ich dann endlich meine Kabine erreicht. Kabine? Naja, eigentlich eher eine Abstellkammer mit Schlafgelegenheit, unglaublich warm und mit einer Lüftung, deren Lautstärke nur noch vom Dröhnen der Motoren übertönt wird. Kurz gesagt: bei der Kabine habe ich wohl die A…karte gezogen.

Rechtzeitig zum Auslaufen bin ich geduscht und umgezogen an Deck, geniesse den Ausblick bei der Fahrt aus dem Hafen und begebe mich dann ins Steakhaus, wo ich einen Tisch fürs Abendessen reserviert habe. Nach dem guten Essen gibt es dann noch die eine oder andere Portion Alkohol, um irgendwie die Nacht zu überstehen. Das klappt dann auch besser als befürchtet.

Tag 3

Nach einer unerwartet ruhigen Nacht gibt es zum Frühstück Kekse aus dem mitgebrachten Proviant. Auf die Schlacht am Buffet habe ich keine Lust. Der Blick aus dem Fenster zeigt blauen Himmel, aber über der nahen Küste hängen Wolken. Noch kurz die Sachen zusammenpacken und dann möchte ich eigentlich an Deck. Aber wieso sind da jetzt Regentropfen am Fenster zu sehen? Während auf dem Meer die Sonne schien, fährt die King Seaways geradeaus in den Regen. Na prima!

Zusammen mit den anderen Passagieren erwarte ich in der Lobby das Anlegen in Newcastle upon Tyne. Das dauert aber noch eine ganze Weile, weil das Fährterminal rund 3 Kilometer im Landesinneren liegt. Endlich im Laderaum angekommen wird das Gepäck verstaut, die GS von den Fesseln befreit und, als die Rampe die Ausfahrt frei gibt, das Schiff verlassen. Dann darf ich mich brav für die erneute Passkontrolle inklusive Helmabnehmen einreihen. Dann ist der Weg endlich frei.

Die nun anstehende Herausforderung heisst “Linksverkehr”. Links fahren und auch normales Abbiegen geht eigentlich sofort problemlos. Aber einen Kreisverkehr “andersrum” zu fahren, ist schon ein seltsames Gefühl. Und Kreisverkehre gibt es auf der Insel sehr viele. So bleibt man wenigsten in Übung. In Blyth gibt es eine kurze Mittagspause, bevor ich mich auf den Weg zur schottischen Grenze mache.

Durch (und durch) Schottland

Bisher hat mich überwiegend Nieselregen begleitet. Aber beim Überqueren der schottischen Grenze am Carter Bar erwartet mich ein richtiger Wolkenbruch. Nach dem obligatorischen Foto-Stop geht es daher schnell weiter nach Jedburgh. Wegen des Wetters verzichte ich auf eine Besichtigung der Jedburgh Abbey und fahre so schnell wie möglich nach Edinburgh. Ohne eine Regenpause erreiche ich schliesslich am späten Nachmittag triefend nass das Premier Inn Edinburgh Park.

Tag 4

Am Morgen scheint die Sonne von einem fast wolkenlosen Himmel. Das richtige Wetter für das geplante Sightseeing in Edinburgh. Die GS bleibt ausnahmsweise auf dem Hotelparkplatz. Nach einem ausgiebigen schottischen Frühstück sitze ich im Zug zum Hauptbahnhof Edinburg Waverley.

Die nächsten Stunden verbringe ich mit der ausgiebigen Besichtigung des beeindruckenden Edinburgh Castle mit einem geliehenen Audio Guide auf den Ohren. Die 16 Pfund für die Eintrittkarte sind zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber wenn man mal in Edinburgh ist, muss man das Castle einfach besucht haben. Anschliessend geht es dann noch zu Fuss durch die Stadt inklusive einer ausgiebigen Pause im Princess Street Garden. Und zum Abschluss gönne ich mir noch eine Stadtrundfahrt im offenen Doppeldeckerbus.

Mit dem Zug geht es dann wieder zurück zum Hotel. Die Füsse bekommen ihre verdiente Pause und ich im Hotelrestaurant ein leckeres Abendessen. Bei der Planung für morgen orientiere ich am Wetterbericht. Dieser sieht für die nächsten Tage eher bescheiden aus. Ich suche also die am wenigsten nasse Ecke Schottlands. Und diese soll im äussersten Osten sein. Ich buche also für die nächsten drei Tage eine Unterkunft in der Nähe von Aberdeen.

Tag 5

Der Sonnenschein von gestern ist verschwunden. Der Himmel ist grau und es gibt wieder leichten Niederschlag. Etwas unmotiviert mache ich mich auf den Weg. Nach ein paar Kilometern stehe ich in Queenferry zu Füssen der beiden Brücken über den Firth of Forth. Nach der Fahrt über die Forth Road Bridge schaue ich mir die Eisenbahnbrücke auch von der Nordseite näher an.

Wegen immer feuchter werdenden Wetters verzichte ich auf grosse Umwege und fahre entlang der Küste bis Kirkcaldy. Hier treibt mich der Hunger zu einem Imbiss am Hafen. Kurz darauf halte ich “Chips and Cheese” in der Hand. Eine grosse Portion Pommes mit einem Berg geriebenem Cheddar-Käse. Normalerweise bringen wohl die heissen Pommes den Käse zum schmelzen. Nicht so bei 6 Grad und kräftigem Wind. Da schmilzt nichts. Allerdings wird der Käse vom Wind nach und nach auf den Boden geblasen, sodass ich nur noch lauwarme Pommes habe. Egal, zumindest macht es satt.

Hinter Saint Andrews erreiche ich den Firth of Tay, dessen Eisenbahnbrücke mich in der Schulzeit genervt hat. Warum musste Theodor Fontane eine Ballade über diese unscheinbare Brücke schreiben? Nachdem ich selber den Tay überquert habe, bringe ich Dundee schnell hinter mich. Schön ist es hier nicht. Da das Wetter immer noch nicht besser ist, fahre ich zügig, aber dennoch Nebenstrassen nutzend, Richtung Stonehaven. Die Landschaft ist eher langweilig (wie in meiner alten Heimat im westlichsten Zipfel Deutschlands), aber zum Geocachen bietet sich, wie auch in den letzten Tagen schon, die eine oder andere Gelegenheit.

Am späten Nachmittag erreiche ich die Lairhillock Lodge, meine Unterkunft für die nächsten drei Nächte. Da mir das tolle Mittagessen immer noch schwer im Magen liegt, verzichte ich aufs Abendessen und mache mir stattdessen Gedanken über den weiteren Verlauf der Tour.

Tag 6

Das Wetter ist immer noch bescheiden. Also ist genug Zeit fürs Frühstück. Es ist schon fast 11 Uhr, als ich mich endlich auf den Weg mache. Bei leichtem Nieselregen fahre ich zuerst Richtung Dufftown. Auf die Besichtigung der Destillerie von Glenfiddich verzichte ich. Mehrere Reisebusse haben gerade Unmengen von Touristen abgeladen und darauf habe ich heute keine Lust.

Mein Weg geht nach Nordosten bis an die Küste. Von Cullen bis Gardenstown folge ich der Küste. Der Regen wird immer weniger, dafür wird es immer stürmischer. Irgendwie sieht das Wetter heute unberechenbar und daher ziehe ich es vor, mich wieder in Richtung Unterkunft zu bewegen. Bei Collieston erreiche ich wieder die Küste und steuere dann Aberdeen an.

Es ist schon fast 18 Uhr und ich habe Hunger. Nach einer etwas orientierungslosen Runde durch den Hafen schickt mich mein (bzw. Michaels) Navi zu einem nicht existierenden McDonalds. Aber irgendwann werde ich fündig und bekomme mein Abendessen. Es ist immer noch stürmisch, aber Regenwolken sind nicht in der Nähe. Also nehme ich für die letzten Kilometer noch einen kleinen Umweg über kleinste Nebenstrassen.

Kurz vor 20 Uhr bin ich zurück an der Lodge und suche für mein Gefährt einen windgeschützten Stellplatz. Der Sturm ist stärker geworden und das gute Stück soll ja nicht umgepustet werden.

Tag 7

Am Morgen ist es stürmisch, aber trocken. Also kann ich es wagen, in die “Berge” zu fahren. Etwas planlos mache ich mich kurz vor Mittag auf den Weg nach Westen. Kurz vor Balater werde ich unmissverständlich darauf hingewiesen, dass ich mich jetzt in den Highlands befinde. Ein paar Kilometer weiter stehen jede Menge Leute am Strassenrand. Keine Ahnung, was hier los ist. Also erstmal Pause machen und abwarten.

Ich wundere mich noch über die zahlreichen Polizisten, die sich hier postiert haben. Plötzlich bricht Hektik aus und kurz darauf ist auch der Grund für den Menschenauflauf klar: auf der Strasse rollt der königliche Bentley inklusive Elisabeth II. und Ehemann an mir vorbei. Erst jetzt merke ich, dass ich unmittelbar an der Zufahrt zum Schloss Balmoral stehe, wo die Queen ihre Sommerresidenz hat. Kurz darauf ist der Trubel vorbei und ich mache mich wieder auf den Weg.

Die Highlands halten, was ich mir von ihnen versprochen habe: kurvige Strassen durch eine einzigartige Landschaft. Und zumindest zu dieser Jahreszeit sehr wenig Verkehr. Hinter Pitlochry verleitet mich ein Wegweiser zum einem Abstecher zum Loch Tummel. Anschliessend geht es mangels Alternative auf der A9 nach Norden. Im grossen Bogen geht es dann durch den Cairngorms Nationalpark wieder in Richtung Osten. Hinter Balater steuere ich wieder die Lodge an, wo ich kurz nach 20 Uhr eintreffe. Der Rest des Abends ist wieder der Planung gewidmet. Im Norden siehts ganz gut aus, also steht die Richtung fest. Und eine Unterkunft ist auch schnell gefunden. Das Ziel für morgen heisst Bonar Bridge.

Tag 8

Sonnenschein am Morgen. Was will man mehr? Also rauf aufs Mopped und das gute Wetter ausnutzen. Zuerst geht es wieder durch den Cairngorms Nationalpark. Ich fahre einen Teil der Strecke vom Vortag, aber in umgekehrter Richtung. Die Gegend ist einfach toll. Gegen Mittag ist dann leider Schluss mit Sonnenschein.

Während ich Loch Ness ansteuere fängt es an zu regnen. Bei dem Wetter wird sich Nessie sicher nicht zeigen. Die Strasse entlang des Sees gefällt mir nicht. Also nehme ich den Weg nördlich durch die Hügel und umfahre so auch Inverness. Am Cromarty Firth ist wieder besseres Wetter und ich lasse mir etwas Zeit. In der Bucht liegen mehrere Bohrinseln und auch 2 Kreuzfahrtschiffe haben hier eine Pause eingelegt. Wahrscheinlich stammten die zahlreichen Touristen in Fort Augustus von diesen Schiffen. Von Westen ziehen wieder dunkle Regenwolken heran. Also nichts wie los. Ich schaffe es, die Wolken im Osten zu umfahren.

So erreiche ich trocken das Dunroamin Hotel in Bonar Bridge. Der Empfang ist sehr herzlich, aber das Zimmer eine Zumutung. Es krabbeln einige Spinnen in den Ecken und im Bad blättert schwarzer Schimmel von den Wänden. Eigentlich müsste ich wegen den 8beinern die Flucht ergreifen. Aber nach einem guten Abendessen und ein paar Single Malts sehe das Ganze einigermassen entspannt. Nach einem Blick auf den Wetterbericht buche ich ein Zimmer auf Orkney Mainland für 2 Nächte.

Tag 9

Nach einem guten Frühstück verlasse ich meine herunter gekommene Unterkunft. Draussen scheint zwar die Sonne, aber es bläst ein heftiger Sturm. Meine Route geht direkt zur Nordküste und obwohl ich auf einer Hauptstrasse unterwegs bin, ist diese einspurig mit regelmässigen Ausweichstellen. Die Landschaft hier oben ist sehr flach, von einzelnen Bergen abgesehen. Und es gibt so gut wie keine Bäume. So bekomme ich den Orkan deutlich zu spüren.

Die ca. 70 Kilometer bis zur Nordküste fahre ich quasi in permanenter Schräglage. Trotzdem kann ich die einmaliger Landschaft in vollen Zügen geniessen. Die Fahrt entlang der Nordküste ist einfacher, weil der Wind jetzt von hinten kommt. So erreiche ich schnell die Bucht von Scrabster, wo die Fähre nach Orkney abfährt. Aber soll ich wirklich bei diesem Wetter aufs Meer? Es dauert eine Weile, bevor ich mir das Ticket kaufe. Aber schliesslich habe ich ja schon die Unterkunft gebucht und auch bezahlt.

Während ich auf die verspätete Fähre warte, genehmige ich mir eine grosse Portion Pommes am Hafen. Mit 2 Stunden Verspätung macht sich die MV Hamnavoe auf den Weg nach Stromness. Zuerst sieht alles gut aus, aber dann kommt eine Durchsage des Kapitäns, dass man wegen eines Hydraulikschadens nur mit halber Geschwindigkeit fahren könne. Und um ruhigeres Wasser zu haben,  würden wir den weiteren Weg durch die Bucht von Scapa Flow nehmen. Statt um 14:45 Uhr erreicht das Schiff schliesslich um 19 Uhr endlich den Hafen von Stromness.

Da mir von der Überfahrt noch ein wenig übel ist, fahre ich direkt zur Houton Bay Lodge. Eigentlich wollte ich 2 Nächte bleiben und den morgigen Tag ausgiebig zum Geocachen nutzen. Der Wetterbericht sagt aber ab Übermorgen starken Regen im ganzen Norden voraus. Um diesen zu vermeiden storniere ich die zweite Nacht und buche für morgen ein Zimmer in Pitlochry. Das heisst, dass ich morgen um 11 Uhr wieder auf dem Weg zum Festland sein werde. Vorausgesetzt, die Fähre ist dann wieder fit.

Tag 10

Der erste Blick geht aus dem Fenster: es regnet nicht und der Sturm hat nachgelassen. Dann geht der zweite Blick ins Internet: die MV Hamnavoe hat planmässig die erste Überfahrt am Morgen angetreten. Also steht der Fahrt zum Festland nichts im Wege. Nach dem Frühstück fahre ich zunächst zum Hafen, um mir ein Ticket für die nächste Überfahrt zu sichern.

Da noch genug Zeit ist, geht es anschliessend in den Norden von Orkney Mainland, um meinen bisher nördlichsten Geocache zu suchen und zu finden. Zurück in Stromness ist die Fähre noch nicht in Sicht und so drehe ich noch eine Runde durch die engen Gassen des Orts. Mit leichter Verspätung beginnt die Überfahrt. Das Meer ist deutlich ruhiger als gestern und ich kann die Aussicht vom Achterdeck geniessen. Die Nordküste von Hoy, an der wir vorbeifahren, ist wirklich sehenswert. Den Rest der Überfahrt verbringe ich in einem bequemen Sessel im Inneren der Fähre. Nach knapp 2 Stunden Fahrt kommen wir in Scrabster an.

Ich statte noch schnell dem nördlichsten Punkt des britischen Festlandes, dem “Dunnet Head”, einen Besuch ab, bevor ich mich auf den Weg zu meinem Tagesziel mache. Zunächst geht es südwärts bis an die Küste. Und dann der A9 folgend vorbei an Bonar Bridge, wo ich gestern Morgen gestartet war, durch Inverness und mal wieder durch den Cairngorms Nationalpark nach Pitlochry. Kurz vor Pitlochry muss ich eine Pause einlegen, um einen kräftigen Regenschauer vorbei ziehen zu lassen. Die Taktik geht auf und so erreiche ich am frühen Abend trocken das Strathgarry Hotel.

Tag 11

Eigentlich habe ich mir für meinen 40. Geburtstag besseres Wetter gewünscht. Aber man bekommt nicht immer das, was man sich wünscht. Nachdem der erste Regen des Tages abgezogen ist, mache ich mich auf zu einer kleinen Runde. Da ich keinen Zugang zum Internet hinbekomme, bin ich auch ahnungslos, was das heutige Wetter angeht. Kaum habe ich Pitlochry hinter mir gelassen, erwischt mich der Regen.

Zwischen Aberfeldy und Crieff werde ich richtig nass und Richtung Südwesten sieht es auch nicht besser aus. Auf dem Weg nach Perth wird das Wetter aber wieder besser und es kommt vereinzelt die Sonne heraus. Die Landschaft ist hier nicht so schön, aber ich kann einfacher den Regenwolken ausweichen als in den Hügeln weiter im Westen. Am späten Nachmittag werde ich kurz vor Pitlochry nochmal kurz klatschnass, bevor ich die improvisierte, aber doch schöne Kurztour beende.

Am Abend gönne ich mir nach dem Essen anlässlich meines Feiertages einen 40jährigen Single-Malt.

Tag 12

Der Wetterbericht der BBC sagt für die nächsten Tage einigermassen gutes Wetter an der Westküste voraus. Also nichts wie hin. Vorbei am Loch Tay fahre ich Richtung Westen. Als ich den höchsten Punkt auf dem Weg nach Fort William erreiche, fängt es wieder an zu regnen. An der Küste angekommen ist es zwar wieder trocken, dafür stecke ich im Stau. Dennoch erreiche ich gegen Mittag Fort William und steuere das Premier Inn Hotel an.

Da im Strathgarry Hotel das Internet nicht funktionierte, muss ich mir jetzt vor Ort ein Quartier besorgen. Leider ist das Premier Inn ausgebucht. Um nicht zu viel Zeit mit der Quartiersuche zu verschwenden, suche ich die Touristeninformation auf und lasse mir dort ein B&B reservieren. Wenig später stehe ich vor dem Lochview House und werde freundlich von der Besitzerin begrüsst. Zuerst zeigt sie mir das Zimmer, dann gibt es zahlreiche Infos, was ich an diesen Nachmittag noch unternehmen kann.

Es ist noch ziemlich früh. Also mache ich mich auf den Weg zur Insel Mull. Zunächst muss ich mit der Fähre über Loch Linnhe und nach ein paar Kilometern mit der nächsten Fähre rüber nach Mull. Für die Umrundung des mittleren Teils der Insel benötige ich viel länger als gedacht. Die Landschaft ist wunderschön, aber die schmalen Strassen (eigentlich ist es nur eine) und der Regen bremsen meinen Vorwärtsdrang.

Da ich nicht weiss, wann die Fähre in Tobermory das letzte Mal fährt und ich nicht über Nacht auf Mull festsitzen möchte, nehme ich wieder die gleiche Fähre wie auf der Hinfahrt, setze am Loch Linnhe wieder über und bin am frühen Abend zurück in Fort William. Wenn ich das nächste Mal in der Gegend bin, werde ich mich ausgiebig über die Fahrpläne der Fähren informieren!

Tag 13

Es ist kaum zu glauben: draussen ist gutes Wetter. Naja, für schottische Verhältnisse. Aber immerhin ist es trocken und die Wolken haben blaue Lücken. Irgendwo habe ich gelesen, dass es auf der Isle of Skye richtig schön sein soll. Also steht das heutige Ziel fest. Die Tour geht zunächst an einigen der für Schottland typischen Lochs vorbei. Dann erreiche ich bei Kyle die Brücke, die auf die Insel führt. Die Landschaft ist beeindruckend und die anfangs noch gut ausgebaute Strasse macht richtig Spass. Zudem ist das Wetter immer noch schön.

Die Fahrt geht zunächst in den äussersten Norden und dann in den äussersten Westen der Insel. Dank der einspurigen Strassen komme ich nur langsam voran. Dafür sind die Ausblicke auf Berge, Steilküste und Meer einfach toll. Nicht mehr toll ist das Wetter. Je weiter ich in den Westen komme, desto dunkler werden die Wolken und schliesslich regnet es wieder.

Für den Rückweg möchte ich nicht wieder die Brücke nehmen, sondern mit der Fähre von Armadale nach Mallaig fahren. Die Abfahrtszeiten habe ich mir morgens noch rausgesucht. Man ist ja lernfähig. Um die Fähre zu erreichen, muss ich mich aber ein wenig beeilen. Die kleinen Strassen lassen kein hohes Tempo zu. Immerhin hört der Regen wieder auf. Ich erreiche rechtzeitig den Hafen und kaufe ein Ticket. Kurz darauf wird mein Motorrad auf der Fähre vertäut.

Die Überfahrt verbringe ich trotz Nieselregen an Deck, da man hier angeblich Wale sehen kann. Die bleiben bei diesem Wetter aber scheinbar lieber unter Wasser oder sind vielleicht auch gar nicht da. Am frühen Abend bin ich zurück in Fort William.

Tag 14

Der Wetterbericht verheisst nichts Gutes. Der Norden Schottlands soll in den nächsten Tagen von ausgedehntem Regen heimgesucht werden. Also der richtige Zeitpunkt, sich allmählich auf den Heimweg zu machen. Entlang der Küste fahre ich zunächst nach Süden, dann nach Nordosten. Um Glasgow mache ich einen möglichst grossen Bogen auf diversen Schnellstrassen. Auf den Grossstadtverkehr habe ich nach der Ruhe der letzten Tage keine Lust.

Da von Westen her immer mehr dunkle Wolken, die offensichtlich sehr viel Regen mitführen, heranziehen, verzichte ich auf den Abstecher zum Galloway National Parc. Stattdessen halte ich mich südöstlich auf direktem Weg nach Dumfries. Die Gegend ist zwar unspektakulär, aber ich komme trocken bis kurz vor mein heutiges Etappenziel.

Im Premier Inn Dumfries habe ich mich für eine Nacht einquartiert. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist noch schlechter geworden. Ich will aber noch den morgigen Wetterbericht abwarten, bevor ich weiter plane.

Tag 15

Die BBC verspricht spätestens ab übermorgen Regen in ganz Grossbritannien. Also nichts wie weg hier. Der Weg in Richtung Kanal macht angesichts der Vorhersage keinen Sinn. Also entschliesse ich mich kurzerhand, wieder die Fähre ab Newcastle zu nehmen. Über Internet ist das Ticket für morgen schnell gebucht. Aber wohin in der Zwischenzeit? Ich beschliesse, dem Regenradar zu vertrauen und heute Abend wieder in der Nähe von Edinburgh zu übernachten. Das Premier Inn dort ist ausgebucht, aber das benachbarte Novotel hat noch ein Zimmer für mich frei.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mache ich mich im Nieselregen auf den Weg. Über Lockerbie und Hawick komme ich gut vorwärts und bin am frühen Nachmittag in der Nähe von Edinburgh. Da das Wetter inzwischen inzwischen ganz o.k. und es einfach noch zu früh ist, im Hotel einzuchecken, schaue ich mir die Gegend etwas näher an.

Der District Midlothian, also die Gegend südlich von Edinburgh, unterhält seit 1973 eine Partnerschaft mit dem Kreis Heinsberg, meiner alten Heimat. Da wir uns damals erfolgreich gegen eine Klassenfahrt nach Midlothian gewehrt hatten (die Côte d’ Azur war attraktiver), hatte ich von Midlothian bisher nichts gesehen. Die Gegend ist ganz nett, aber unspektakulär.

Auf den letzten Kilometer vor Edinburgh erwischt mich doch noch der Regen und so checke ich schliesslich klatschnass im Novotel Edinburgh Park ein. Notiz an mich: beim nächsten Schottlandbesuch unbedingt versuchen, trocken in Edinburgh anzukommen.

Tag 16

Mein letzter Tag in Schottland beginnt ziemlich sonnig. Ich mache mich auf den Weg nach Süden. Erst um 15 Uhr muss ich am Hafen sein, also habe ich für die Strecke nach Newcastle genug Zeit. Durch die Hügellandschaft rolle ich auf überwiegend kleinen Strassen und geniesse die Kurven.

Mir fällt auf, dass extrem viele Radfahrer unterwegs sind. Und auch die Polizei schient heute sehr aktiv zu sein. Ich ahne Böses. Immer mehr Polizei-Wagen kommen mir entgegen. Dann noch zahlreiche Polizei-Motorräder. Aber irgendwie scheint sich niemand für mich zu interessieren. Doch plötzlich werde ich von einem Uniformierten auf einen kleinen Parkplatz am Strassenrand verwiesen. Er bestätigt meine Vorahnung: ein Radrennen rollt auf mich zu. Als “Bewachung” für die auf dem Parkplatz festgesetzten Auto- und Motorradfahrer wird ein Motorradfahrer der NEG (National Escort Group) postiert. Da ich einen ähnlichen Job in der Schweiz mache und wir die gleichen Motorräder fahren haben wir für die nächste Stunde genug Gesprächsstoff. Da stört es auch nicht, als es plötzlich anfängt zu regnen. Wobei das nach Aussage des Schotten gar kein richtiger Regen war. Irgendwann ist das Radrennen vorbei und ich habe wieder freie Bahn.

Um die verlorene Zeit aufzuholen nehme ich den direkten Weg und überquere, wie schon vor ca. 2 Wochen am Carter Bar die schottische Grenze.

Der Rückweg

Ich erreiche rechtzeitig den Hafen, bringe die Zollkontrolle hinter mich und parke mein Motorrad im Bauch der Princess Seaways. Danach beziehe ich meine Kabine. Nach dem Reinfall auf der Hinfahrt gönne ich mir den Luxus einer Kommodore-Kabine. Mit richtigem Bett, richtigem Badezimmer, Fernseher, Frühstück in der Kabine und kostenloser Minibar. Und zum Abschluss des Tages gibt es ein sehr guten Abendessen im Restaurant, während die Küste langsam am Horizont verschwindet und die Sonne untergeht.

Tag 17

Nach einer ruhigen Überfahrt stehe ich pünktlich zum Sonnenaufgang an Deck. Zurück in der Kabine haue ich mich nochmal ins Bett und werde gegen 8 Uhr vom Zimmerservice geweckt. Das Frühstück wird gebracht. Danach packe ich meine Sachen und schaue mir die planmässige Einfahrt in den Hafen an Deck an. Beim Verlassen des Hafen erfolgt nochmal eine kurze Zollkontrolle.

Dann stehe ich vor einem unerwarteten Problem: auf welcher Strassenseite muss ich jetzt fahren? Nach 2 Wochen Linksverkehr muss ich mich tatsächlich wieder an die Normalität gewöhnen. Auf der Autobahn geht es quer durch die Niederlande. Am frühen Nachmittag tauchen riesige Regenwolken auf und es sieht nicht so aus, als würde ich heute trocken bleiben. Aber durch das geschickte Einlegen von Pausen, um die Regenwolken vorbei ziehen zu lassen, schaffe ich es tatsächlich (fast) trocken bis nach Heinsberg. Hier quartiere ich mich für ein paar Tage bei meinem Eltern ein.

Tag 18

Nach ein paar Tagen mit Familie und Freunden trete ich die letzte Etappe an. Der Urlaub geht leider zu Ende, aber immerhin brauche ich heute keinen Regen zu fürchten. Ich fahre durch die Eifel und durch das Ourtal bis an die Mosel. In Wasserbillig nehme ich die Fähre nach Oberbillig. Das Saarland bringe ich schnell auf der Autobahn hinter mich. Ab Saarbrücken nehme ich meine Standard-Route, die ich immer fahre, wenn ich zwischen alter und neuer Heimat pendle. Zuerst etwas Autobahn, dann auf der Landstrasse weiträumig an Strassburg vorbei und zum Schluss wieder Autobahn bis Basel. Kurz vor Zürich muss ich nochmal kurz improvisieren, weil am Limmattaler Kreuz das übliche Verkehrschaos herrscht und ich keine Lust auf Stau habe.

Um 21 Uhr bin ich nach 3 Wochen und rund 6.300 km wieder zu hause. Aber ich werde ganz sicher in den nächsten Jahren wieder nach Schottland fahren. Schliesslich habe ich ein paar Ecken noch nicht gesehen. Und die, die ich gesehen habe, sind es wert, nochmal gesehen zu werden.