West-Balkan 2019

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Vom Balkan kann man ja nicht behaupten, dass er einen besonders guten Ruf geniesst. Aber ist das auch gerechtfertigt? Am besten macht man sich selber ein Bild davon und fährt hin. Aber wohin genau? Alleine das ehemalige Jugoslawien hat je nach politischer Anschauung sechs bis sieben neue Staaten hinterlassen. Daneben gibt es noch Albanien und Griechenland. Am besten, ich statte jedem Land zumindest einen Kurzbesuch ab.

Ich möchte die Tour einigermassen spontan gestalten, obwohl ich mir im Vorfeld natürlich ein paar Gedanken zum grundsätzlichen Verlauf gemacht habe. So möchte ich am Anfang mit der Fähre von Ancona nach Igoumenitsa fahren. Dann bin ich auf dem Rückweg über Land flexibel und muss mich nicht nach den Fahrzeiten und Routen der Fähren richten.

Da ich vor der Balkan-Tour noch in der Fränkischen Schweiz unterwegs bin, startet die Tour an einem Sonntagmorgen Anfang Juni in der Nähe von Nürnberg.

Die Anreise

Tag 1

Nach dem Frühstück mache ich mich in Pottenstein auf den Weg. Übermorgen muss ich gegen Mittag in Ancona sein. Bis dahin sind es auf dem direkten Weg 1.000 km. Aber ich habe keine Lust auf den direkten Weg. Trotzdem fahre ich, um nicht schon am Anfang zu viel Zeit zu verlieren, auf der Autobahn bis München. Da die A99 dicht ist, geht es mitten durch die Stadt. Besser langsam rollen als im Stau stehen.

Auch hinter München bleibt der Verkehr dicht. Scheinbar wollen alle bei dem guten Wetter in die Berge. Erst hinter Lenggries in Richtung Walchensee wird es ruhiger. In Österreich nehme ich die Autobahn. Vignette und Brenner-Maut habe ich schon im Vorfeld online bezahlt. Ab dem Brennerpass vermeide ich die Autobahn und mache noch einen kleinen Umweg über das Penser Joch. Am späten Nachmittag erreiche ich das Hotel Monte Bondone in Vaneze oberhalb von Trento.

Tag 2

Heute müssen noch die restlichen Alpen durchquert werden und dann liegt die langweilige Po-Ebene vor mir. Daher möchte ich zumindest am Vormittag noch etwas Fahrspass geniessen. Bis Rovereto bleibe ich oberhalb des Etschtal und nehme dann die Strasse über den Passo Pian delle Fugazze nach Schio. Kaum bin ich aus den Bergen raus, wird es hochsommerlich heiss. Prompt verfahre ich mich diverse Male, kann aber die grobe Richtung beibehalten. Hinter Vicenza wird es für 50 km noch einmal sehr kurvig. Am frühen Nachmittag erreiche ich dann die Po-Ebene und nehme ab hier die Autobahn.

Gegen 17 Uhr erreiche ich mein heutiges Ziel, die Villa Matarazzo in Fanano. Eigentlich wollte ich hier auch etwas essen, aber das Restaurant ist leider zu. An der Rezeption erhalte ich Empfehlung für eine Pizzeria im benachbarten Gradara. Also mache ich mich nochmal mit der GS auf den Weg. Zum Laufen bin ich zu faul.

Tag 3

Der Tag startet mit einem ausgiebigen Frühstück auf der Terrasse meiner Unterkunft mit Blick in den Park. Dann mache ich mich auf den Weg zur Fähre. Den grössten Teil des Weges lege ich auf der Autobahn zurück. In Ancona am Hafen angekommen hole ich mir am Ticketschalter meine Fahrkarte ab und stehe eine halbe Stunde später um 11:15 Uhr in der Warteschlange vor der Superfast XI.

Um 12 Uhr kann ich mit den anderen Motorradfahrern an Bord und beziehe meine Kabine. Mit einer halben Stunde Verspätung läuft die Superfast XI um 14 Uhr aus dem Hafen von Ancona. Den Rest des Tages verbringe ich in der Kabine und an Deck mit Essen, Trinken und Nichtstun.

Tag 4

Als ich am Morgen das erste Mal aus dem Fenster schaue, fahren wir gerade durch die Meerenge zwischen Korfu und dem Festland. Nach dem Frühstück im Restaurant packe ich meine Sachen und begebe mich dann zu meinem Motorrad. Das Einlaufen in Igoumenitsa dauert länger als erwartet. Ich wäre besser noch eine halbe Stunde an Deck geblieben. Warum die LKW-Fahrer ihre Motoren 30 Minuten lang warmlaufen lassen müssen, muss ich zum Glück nicht verstehen. Jedenfalls bin ich heilfroh, als endlich die Klappe aufgeht und frische Luft in den Laderaum strömt.

Griechenland

Kurz vor 8 Uhr kann ich dann endlich von Bord fahren. Bevor ich mich ins Landesinnere begebe, mache ich noch einen Abstecher nach Süden. Die Schotterpiste über Vrachonas habe ich durch Zufall bei der Planung entdeckt und sie stellt sich sowohl als lohnenswert als auch als teilweise anspruchsvoll heraus. An den feuchten Stellen ist es etwas rutschig, aber durchaus fahrbar.

Bei Psakka fällt mir eine Sendeanlage auf einem Berg auf. Einen freundlichen Einheimischen frage ich, ob man legal dort hochfahren darf. Irgendwie kann er meinen Wunsch, dort hochzufahren, nicht nachvollziehen. Da oben sei doch nichts. Man könne nur von oben auf die Gegend schauen. Aber das genau will ich ja. Auch die Frage, ob es legal sei, versteht er nicht. Wenn ich dort hoch wolle, soll ich doch einfach fahren. Es sei aber nicht ganz einfach. Also los. Nach gut 6 km stehe ich auf dem Gipfel des 942 m hohen Psilo Vuono und geniesse die 360°-Aussicht. Absolut lohnenswert und mit der GS kein Problem. Griechenland gefällt mir bisher ziemlich gut.

Die nächsten 80 km lege ich auf kleinen Nebenstrassen zurück und stelle fest, dass man auf diesen Strassen nur sehr langsam vorwärts kommt. Aber immerhin schneller, als die Griechischen Landschildkröten, die immer mal wieder auf der Strasse auftauchen. Die sind nur schnell (weg), wenn man sie fotografieren möchte.

Um 15 Uhr beziehe ich mein Quartier im Hotel Agnantio in Ligkiades. Da es im Hotel kein Restaurant gibt, fahre ich am späten Nachmittag hinunter nach Ioannina und kaufe im Supermarkt Verpflegung für die nächsten Tage. Das heutige Abendessen geniesse ich bei toller Aussicht vom Mitsikeli, dem Berg oberhalb von Ligkiades.

Tag 5

Nach dem Aufstehen schaue ich auf eine Wolkendecke hinab, unter der Ioannina und der See liegen. Diese wird aber von der Sonne sehr schnell weggebrutzelt. Als ich nach dem äusserst reichaltigen Frühstück losfahre, sind es schon über 25 °C und es wird noch wärmer. Viel habe ich mir für den heutigen Tag nicht vorgenommen, aber auf den kleinen Strassen kann “nicht viel” auch sehr lange dauern.

Ich beginne mit einem Besuch des Oxyá-Aussichtspunkts oberhalb der Vikos-Schlucht. Der kleine Spaziergang bei inzwischen über 30 °C in Motorradklamotten ist kein Vergnügen. Aber der Ausblick in die Schlucht ist beeindruckend. An der alten Brücke am nördlichen Ausgang der Schlucht lege ich eine längere Pause ein. Hier gibt es Schatten und das Wasser kühlt ein wenig die Luft. Inzwischen ist es unerträglich warm, sobald ich irgendwo anhalte.

Am Nachmittag vollende ich die Umrundung des Pindus-Nationalparks. Leider ist der Schnee auf den Bergen unerreichbar. Ich würde mir gerne ein paar Schneebälle in die Jacke stecken.

Insgesamt waren es heute nur 250 km. Aber trotzdem bin ich k.o. Und da ich in der Nacht noch etwas geplant habe, gibt es zum Abendessen lediglich ein paar Kekse auf dem Balkon und dann geht es sehr früh ins Bett.

Tag 6

Der Tag, also zumindest der erste Teil, beginnt in der Nacht um 1:30 Uhr. Ich habe meine Fotoausrüstung gepackt und fahre ein Stückchen den Berg hinauf. Das Ziel, den nächtlichen See mit der beleuchteten Stadt und der Milchstrasse auf ein Foto zu bringen, gelingt leider nur mittelprächtig. Panoramafotos in der Nacht muss ich nochmal üben. Um 3 Uhr liege ich wieder im Bett.

Frühstück ist heute etwas später dran und die heutige Etappe ist noch kürzer als die gestrige. Da der direkte Weg nach Kalampaka dann aber doch zu kurz ist, fahre ich noch eine Schleife um den Aoos-Stausee. Am frühen Nachmittag treffe ich dann in Kalampaka ein und schaue mir erst noch ein wenig die Gegend, insbesondere die Meteora-Klöster an, bevor ich im Grand Meteora Hotel einchecke.

Beim Abendessen merke ich, dass das Hotel eher auf Bustouristen eingestellt ist. Mit einzelnen Individualreisenden ist das Personal offensichtlich überfordert. Das Buffet ist zwar o.k., aber mehr als ein Glas Wasser zum Trinken zu bekommen gelingt mir auch nach mehreren Anläufen nicht. Das Personal steht lieber dumm rum und wartet auf die Chinesen-Horden, die etwas später einfallen. Viel Zeit will ich mit dem Essen eh nicht verschwenden, da ich zum Sonnenuntergang noch einmal bei den Klöstern sein möchte.

Nach dem Essen mache ich mich also noch einmal auf den Weg. Dass die besten Fotospots dermassen bevölkert sind hatte ich nicht erwartet. Es stehen so viele Auto entlang der Strassen, dass ich für meine GS kaum einen Parkplatz finde. So suche ich mir etwas abseits ein ruhiges Plätzchen ohne Kloster und geniesse dort die Abendstimmung.

Tag 7

Das Frühstück besteht aus den Resten, die die Chinesen, die gerade ihre Busse besteigen, übrig gelassen haben. Ich mache mich etwas früher als an den letzten Tagen auf den Weg. Heute werde ich Griechenland hinter mir lassen und möchte vorher noch einen Blick auf den Olymp werfen. Daher kommen ein paar Kilometer mehr zusammen als an den letzten Tagen. Unnötig zu erwähnen, dass es auch heute eigentlich wieder viel zu warm ist zum Motorradfahren. Das bleibt auch noch eine ganze Weile so …

Zunächst fahre ich Richtung Nordosten. Bis zum Olymp bzw. dem Aussichtpunkt, den ich bei der Planung gefunden habe, sind es nur rund 50 km Luftlinie. Auf der Strasse sind es doppelt so viele. In Tsapournia weiss mein GPS nicht genau, wie ich den angepeilten Hügel hinaufkomme. Aber ein netter Dorfbewohner zeigt mir den richtigen Weg. Oben angekommen, bin ich etwas enttäuscht. Ich hatte mir den Sitz der Götter etwas imposanter vorgestellt.

Als nächstes geht es zum Polyfytos-Stausee und weiter nach Florina. Irgendwie habe ich den Eindruck, hier ganz alleine zu sein. Auf der Autobahn sind noch vereinzelt LKW unterwegs, aber auf einem spontanen Umweg vor Florina bin ich der einzige auf der Strasse. Auch auf den weiteren Kilometern bis zur Grenze ist äusserst wenig Betrieb. Zwischen Griechenland und Nordmazedonien scheint zumindest hier kein grosser Austausch zu existieren.

Nordmazedonien

An Grenzübertritte mit Kontrolle der Papiere muss ich mich erst mal gewöhnen. Der griechische Zöllner ist scheinbar angepisst, weil ich ihn bei der Ausreise beinah ignoriere. Er hätte sich vielleicht nicht hinter einer Säule verstecken sollen. Dafür ist die nordmazedonische Zöllnerin sehr freundlich. Das Land, das bis vor einigen Wochen noch Mazedonien hiess, zeigt dann aber schnell sein wahres Gesicht: Irgendwie scheint mich jeder Autofahrer umbringen zu wollen. Ob es hier sowas wie Führerscheine gibt?

In Bitola, der ersten nordmazedonische Stadt auf meiner Route, versuche ich mich an die hiesigen Verkehrsverhältnisse zu gewöhnen. Ich schleiche mehr durch die Stadt als dass ich richtig fahre. Jeder scheint hier die Verkehrsregeln selber zu interpretieren. Und Ampeln stehen eher aus dekorativen Gründen herum.

Erst hinter der Stadt wird der Verkehr besser berechenbar und somit ungefährlicher. Ich fahre an den Prespasee und dann auf einer kleinen Strasse durch den Galicica-Nationalpark zum Ohridsee. Die kleine Passstrasse bietet schöne Ausblicke auf die beiden grossen Seen. Als ich die Hauptstrasse erreiche, verlangen 2 “Parkranger” 2 € für die Befahrung der Strasse. Nirgendwo hatte es einen Hinweis darauf gegeben, aber 2 € war es auf jeden Fall wert. Egal ob die Jungs echt sind oder nur blöde Touristen abzocken wollen.

Ein paar Kilometer weiter erreiche ich mein Hotel Dva Bisera direkt an der Uferstrasse. Ich beziehe mein äusserst grosszügiges Zimmer (eher ein kleines Apartment mit Balkon zum See) und geniesse ein leckeres Abendessen im hoteleigenen Restaurant.

Tag 8

Schon beim Frühstück ist mir eigentlich zu warm, heute irgendwas zu unternehmen. Aber wenn ich schon mal in Nordmazedonien bin, möchte ich auch ein wenig vom Land sehen. Ich entscheide mich für eine Schleife nach Norden, die je nach Lust und Laune gekürzt oder verlängert werden kann. Zunächst geht es nach Ohrid, um an einer Tankstelle Sprit und Proviant zu fassen. Bereits auf den ersten Kilometer sehe ich mehrere Polizeikontrollen, aber alle in der Gegenrichtung. Ich halte mich 100% an die Geschwindigkeitsbegrenzung und werde prompt zum Verkehrshindernis.

Hinter Opstina Struga ist so wenig Verkehr unterwegs, dass sich Polizeikontrollen scheinbar nicht lohnen. Allmählich macht das Fahren wieder Spass und die Strasse entlang zweier Stauseen ist eigentlich ganz nett. Zu sehen gibt es nicht allzu viel. Die Landschaft ist eher langweilig und besteht aus immer wieder gleich aussehenden bewaldeten Hügeln. Die Orte glänzen auch nicht durch Attraktivität. Mir fällt auf, dass dieser Landesteil sehr albanisch geprägt ist. Überall hängen albanische Flaggen in allen möglichen Grössen.

Auch der weitere Verlauf der Runde ist eher unspektakulär. Mit dem Geocaching klappt es heute auch irgendwie nicht. Ausserdem geht mir die Hitze auf die Nerven. Am späten Nachmittag bin ich zurück im Hotel und ruhe mich auf dem Balkon aus. Den Abend verbringe ich wieder im Restaurant im Erdgeschoss und anschliessend am Seeufer.

Tag 9

Nach dem Frühstück checke ich aus meinem Hotel aus und fahre als erstes auf die gegenüberliegende Seite des Ohridsees. Dort überquere ich die Grenze nach Albanien.

Albanien und Kosovo

Kaum habe ich die Grenze hinter mir, kriege ich das Kotzen (Tschuldigung!). In den Kehren hinunter zum See kommt mir ohne Vorwarnung der Konvoy des Gumball 3000 entgegen. Lauter Arschlöcher mit Polizei-Eskorte (vermutlich gegen kleines Taschengeld) auf beiden Fahrbahnen. Ich sollte mir auch ein paar Polizisten kaufen. Die kosten hier ja bestimmt nicht viel.

Mit entsprechend schlechter Laune mache ich mich in Pogradec auf die Suche nach einem Bankomat. Ich brauche noch albanisches Geld. Bei den zwei Banken, die ich finde, lungern aber so seltsame “Typen” herum, dass ich mich einfach nicht traue, mein Motorrad auch nur 30 Sekunden aus den Augen zu lassen. Keine halbe Stunde bin ich in diesem Land und frage mich schon, ob ich mir das wirklich antun muss. Dazu kommen Autofahrer, die noch konsequenter unfähig sind als ihre nordmazedonischen Nachbarn.

Etwas überraschen finde ich Maliq dann einen “sicheren” Bankomaten und auf der anschliessenden Schlaglochpiste Richtung Westen habe ich endlich meine Ruhe. Ich geniesse die Fahrt entlang des Flusses. Albanien ist doch ganz o.k. Plötzlich versperrt mir eine Barriere den weiteren Weg im Tal. Es gibt nur eine neuee Strasse den Berg hinauf. Dummerweise sind weder die Strasse noch die beschilderten Orte im Navi und der Landkarte auffindbar. Aber es gibt keine Alternative und so falsch wird die Richtung schon nicht sein. Wie ich später feststelle, wird die alte Strasse im Tal demnächst von einem Stausee verschluckt und die neue Strasse macht mit zahlreichen Kurven richtig Spass.

Mein heutiges Ziel liegt in der Nähe von Tirana, aber würde heute gerne noch ans Meer. Allerdings zieht sich der Weg zur Küste wie Kaugummi. Nach scheinbar endlosem Geradeausfahren komme ich am Nachmittag in Durres an. Da mir die Stadt so überhaupt nicht gefällt , mache ich mich sofort wieder auf den Weg nach Tirana. Der Verkehr hier im urbanen Teil Albaniens ist noch chaotischer als auf dem Land. Gigantische Schlaglöcher zwingen die Fahrer sportlicher Auto zu spontanen Schlenkern auf die Gegenfahrbahn. So gibt es auf 2spurigen Strassen teilweise nur eine schlaglochfreie Ideallinie, über die der Verkehr in beide Richtungen rollt oder auch auch nicht. Irgendwann reicht es mir und ich fahre über den Bürgersteig.

Am späten Nachmittag erreiche ich mein heutiges Quartier, eine kleines Hotel namens Vila 26 südlich der Hauptstadt. Das Zimmer ist angenehm gross und das Abendessen im hoteleigenen Park sehr gut.

Tag 10

Nach einer ruhigen Nacht und gutem Frühstück mache ich mich auf den Weg nach Tirana. Ich brauche dringend eine Tankstelle und auf dem Weg nach Norden muss ich sowieso einmal quer durch die Stadt. Theoretisch hat die Hauptstrasse hier 3 Spuren in meine Richtung, praktisch sind es zwischen 5 und 6. Irgendwann biege ich in ein Wohngebiet ab und suche mir einen Weg aussenrum. Dann versperrt mir ein ca. 50cm hoher Erdwall quer über eine Kreuzung den Weg. Ich kann nur rechts abbiegen, aber da komme ich auch nicht weiter. Als ich noch überlege, wie ich jetzt weiterfahre, nähert sich ein Taxi und nimmt den direkten Weg über den Wall. Was der kann, kann ich auch. Ob der Wall eine Sperrung darstellen soll oder nicht interessiert hier scheinbar niemanden. Kurz nach meinem geplanten Tankstopp muss ich noch eine Schafherde vor mir über die Strasse lassen. Wohlgemerkt, ich bin immer noch in der “Hauptstadt”!

Auf dem Weg nach Norden versorge ich mich in einem kleinen Laden mit Proviant. Irgendwann führt mich der Weg in die Berge und hier wird Albanien dann wirklich schön. Schmale Strassen in allen möglichen Zuständen mit endlos vielen Kurven. Hier kann man es aushalten. Wenn es nur nicht so heiss wäre. Gegen Mittag erreiche ich Kukes. Hier möchte ich heute übernachten. Ich fahre direkt zum Hotel, um mein Gepäck abzuladen und am Nachmittag noch eine Runde durch den Kosovo zu fahren. Als ich das Hotel dann aber in einem heruntergekommenen Hinterhof entdecke, beschliesse ich spontan, die Reservierung verfallen zu lassen und mir etwas Neues zu suchen. Hier würde ich mich abends nicht mehr vor die Tür trauen.

Ich breche direkt auf zur Grenze und besorge mir am Zoll eine Haftpflichtversicherung (die grüne Versicherungskarte gilt hier nicht). Der Kosovo besteht hier aus einer grossen Ebene, die zum Motorradfahren eigentlich uninteressant ist. In einem Bogen fahre ich wieder zurück nach Albanien. In Bajram Curri habe ich von unterwegs ein Zimmer im Turizmi Hotel gebucht. In dem kleinen Ort findet heute ein Folklore-Festival statt. Direkt vor dem Hotel. So “geniesse” ich den Abend mit ohrenbetäubenden Lärm, der zum Glück gegen 22 Uhr endet, sodass ich doch noch schlafen kann.

Tag 11

Am Morgen bekomme ich trotz Verständigungsproblemen ein leckeres Frühstück und mache mich dann auf wieder auf den Weg in den Kosovo. Meine Versicherung gilt noch, so ist der Grenzübertritt problemlos. Die Strecke im Kosovo ist so unspektakulär wie gestern. Sie verläuft weiter am Rande einer grossen Ebene, immer in Sichtweite der Berge an der östlichen Grenze. Fahrspass kommt erst wieder auf, als ich in Richtung Montenegro abbiege. Die Kurven hinauf zur Grenze könnte man durchaus mehrmals rauf und runter fahren.

Montenegro und ein bisschen Serbien

Auf montenegrinischer Seite geht es kurvig weiter. Ich muss aber noch schnell nach Serbien. Kurz hinter dem montenegrinischen Zoll biege ich auf eine kleine Brücke ab, überquere mit dem Fluss auch direkt die Grenze nach Serbien. Hier geht es nur zu einem alten Kloster mit Bahnhof. Ich bin aber eher an dem Geocache interessiert. Während ich darauf warte, ungestört die Dose zu suchen, erblickt mich eine Nonne und versucht mich wort- und gestenreich zu einer Besichtigung des Klosters zu bewegen. Aber das passt jetzt gar nicht in meinen Plan und irgendwann gibt sie auf. Ich logge noch schnell den Cache und fahre wieder über die Brücke zurück nach Montenegro.

Dem Fluss folgend komme ich dann zum serbischen Grenzposten. Es ist auf der ganzen Tour der einzige Grenzübertritt, bei dem ich zum Abziehen des Helms aufgefordert werde. Die Dame scheint ihren Job ernst zu nehmen. Von Serbien habe ich keinerlei Vorstellung und will eigentlich nur kurz dahin, um da gewesen zu sein und nie wieder hin zu müssen. Serbien hat seit dem Jugoslawien-Krieg den wohl schlechtesten Ruf aller Ex-Jugo-Staaten. Aber die Landschaft hier ist eigentlich sehr schön, sodass ich mir überlegen muss, mich vielleicht doch mal mit Serbien zu beschäftigen. Aber nicht auf dieser Tour.

Nach rund 50 km ist Serbien fertig. Ich überquere wieder die Grenze. Montenegro erweist sich als überaus vielseitig. Zunächst scheine ich in einem Bergbaugebiet gelandet zu sein. Kurz danach überquere ich die Tara-Schlucht. Die muss ich mir irgendwann mal näher anschauen, aber heute habe ich keine Zeit. Ich will ja noch bis zur Küste. Es folgt eine Hochebene am Rande des Durmitor-Massivs. Hier geschieht das Unfassbare: ich werde von ca. 3 Regentropfen getroffen. Montenegro ist super …

Wirkliche Abkühlung gibt es aber nicht und bald ist auch die Sonne wieder da. Vorbei am Slansko-See erreiche ich am späten Nachmittag die Bucht von Kotor. Zu meinem Quartier muss ich bis ans Ende der Bucht und auf der schmalen Küstenstrasse ist Überholen keine gute Idee. So eiere ich gut 20 Kilometer hinter einem LKW her.

Kurz hinter Kotor erreiche ich dann das Hotel Galia und beziehe mein Zimmer. Am Abend geniesse ich das eine oder andere kühle Bier und das sehr gute Essen im Restaurant des Hotels.

Tag 12

Heute ist Ruhetag. Zuerst wird ausgeschlafen und dann ausgiebig gefrühstückt. Erst um 10 Uhr mache ich mich auf den Weg. Da es schon jetzt wieder sehr warm ist und noch wärmer werden wird, will ich nur ein bisschen die Gegend erkunden. Mein Gastgeber gibt mir den Tipp, in den Nationalpark zu fahren und das Mausoleum zu besuchen. Aber zunächst fahre ich mal der Küste entlang.

Bevor ich bei Budva ins Hinterland abbiege, nutze ich die Gelegenheit, mein Motorrad von der klebrigen Schicht aus zerplatzten Insekten zu befreien, die sich in den vergangenen 2 Wochen aufgebaut hat. Mit einem sauberen Motorrad fährt man viel besser. 😉 Die Strasse hinauf in die Berge könnte eine Traumstrasse sein, wenn weniger LKW und Busse dort unterwegs wären. Immerhin gibt es im oberen Bereich ein paar kleinere Parkplätze, wo man in Ruhe die Aussicht geniessen kann. Und die ist toll.

Ich fahre zunächst zum Shkodrasee-Nationalpark und dann weiter zum Lovcen-Nationalpark. Beide Nationalparks sind vollkommen unterschiedlich, aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Und ein Tag ist für diese Gegend definitiv zu wenig. Ich muss hier also nochmal hin. Montenegro ist zwar nicht gross, hat aber scheinbar sehr viel zu bieten. Im Lovcen-Nationalpark finde ich am Ende einer mautpflichtigen Strasse auch das von meinem Wirt erwähnte Mausoleum bzw den Parkplatz, an dem die Treppe zum Mausoleum beginnt. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte , dass man für 10€ Eintritt 461 Stufen erklimmen muss, würde ich mir den Besuch sparen. Trotzdem lohnen sich die Strapazen und der Blick von oben ist beeindruckend.

Auf dem Weg zurück nach Kotor gibt es aber noch einen Aussichtspunkt, der einen Besuch lohnt. Er liegt an einer nagelneuen Strasse, die es auf meinem GPS noch gar nicht gibt. Von hier kann man die ganze Bucht bis hin zur Adria überblicken. Noch viel besser, als man es vom Mausoleum aus kann. Über zahllose Kehren komme ich wieder nach Kotor und ins Hotel.

Während des Abendessens mache ich mir Gedanken zum weiteren Verlauf der Reise. Ich habe eigentlich noch genug Zeit, aber die Hitze geht mir auf die Nerven. Und der Wetterbericht sagt für den geplanten Verlauf der Tour noch höhere Temperaturen bis zu 40 °C voraus. Die 35 °C der letzten Tage waren aber schon zu viel…

Tag 13

Von Kotor wollte ich eigentlich Richtung Mostar fahren und mir Bosnien und Herzegowina ein wenig anschauen. Aber aus den genannten Temperaturgründen entscheide ich mich, allmählich den Rückweg einzuleiten. Dennoch soll Bosnien besucht und auch dort ein Geocache (wie bisher in jedem Land der Tour) gefunden werden. Ich bin ja nicht nur zum Vergnügen hier.

Statt vom Hotel einmal komplett um die Bucht zu fahren, nehme ich die Fähre von Lepetane nach Kamerani. Dann wird die GS noch getankt und Proviant eingekauft. Weiter geht es zur bosnischen Grenze. Kurz vor der Grenze komme ich zunächst zu einer Mautstelle. Seltsam, aber es kostet auch nur 2 €. Kurz darauf stehe ich zuerst am montenegrinischen und ein paar Meter weiter am bosnischen Grenzposten.

Bosnien und Kroatien

Hier darf ich 5 Minuten in der gleissenden Sonne warten, bis die beiden Beamten die Pässe einer Busladung australischer und neuseeländischer Touristen abgestempelt haben. Die Sammlung unterschiedlicher Bierflaschen im Zöllnerhäuschen ist dabei ebenso beeindruckend wie das Arbeitstempo.

Die Landschaft im Süden von Bosnien ist vollkommen unspektalär. Die Hügel sehen fast alle gleich aus und zwischen den Hügeln liegen landwirtschaftlich genutzte Ebenen. Trotzdem gefällt es mir hier. Die Strassen sind in gutem Zustand und haben auch eine ausreichende Anzahl an Kurven. Und solange ich fahre, sind auch die Temperaturen auszuhalten. Sobald ich aber irgendwo stehen bleibe läuft der Schweiss in Strömen.

Nach 120 km und 3 Stunden (Geocaching braucht Zeit) ist Bosnien schon wieder zu Ende. Ich möchte rüber nach Kroatien und habe somit eine EU-Ausgrenze vor mir. Und die Zöllner scheinen ihren Job sehr ernst zu nehmen. Für die letzten 375 Meter bis zur Grenze benötige ich 40 Minuten. Bei 37 °C, ohne Schatten und ohne den leisesten Windhauch. Zum Glück hört niemand meine Flüche über das Arbeitstempo der Zöllner.

Ich fahre einen grossen Bogen durch das dalmatische Hinterland und folge dann später ab Makarska der Küstenstrasse. Gegen 17 Uhr erreiche ich meine Unterkunft Sunset Split Rooms. Da es noch relativ früh ist, komme ich auf die dumme Idee, noch nach Split reinzufahren. Rein komme ich noch ganz gut. Da ich aber schon sehe, dass ich auf dem Rückweg im Berufsverkehr stecken werden, vergeht mir die Lust und nach einem kurzen Tankstop suche ich den Weg zurück. Auf der Hauptstrasse geht nichts mehr, aber dank Navi finde ich eine Alternative. Den Abend geniesse ich im Restaurant des Hotels direkt am Strand.

Tag 14

Ich habe endgültig genug von diesem Wetter. Seit 2 Wochen nur Sonnenschein und Hitze. Jetzt reicht’s. Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Flucht in hoffentlich kühlere Temperaturen. Daher überwinde ich auch meine Abneigung gegen Autobahnen und fahre nach dem Frühstück auf direktem Wege zur A1, der ich dann 240 km folge.

Den ganzen Tag möchte ich dann aber doch nicht auf der Autobahn verbringen. Also folge ich ab Senj der Küstenstrasse bis Rijeka. Die Grossstadt selber durchfahre ich dann wieder auf der Autobahn. Auf Stadtverkehr habe ich jetzt keine Lust. Wenig später bin ich an der slowenischen Grenze.

Der Rückweg oder die Flucht aus der Hitze

Eigentlich wollte ich in Slowenien bleiben. Aber irgendwo scheine ich einen Abzweig verpasst zu haben und plötzlich stehe ich verwundert vor der italienischen Grenzkontrolle. Eigentlich bin ich ja schon im Schengenraum, aber das interessiert hier niemanden. Das Hinterland von Triest bringe ich auf der Autobahn hinter mich. Und bei Gorizia komme ich wieder zurück nach Slowenien.

Ab jetzt brauche ich kein Navi mehr. Ich folge einfach nur der Soca bis nach Bovec. Hier habe ich mich im Hotel Alp eingemietet. Bovec hat sich seit meinem letzten Besuch 2007 zum einem Touristen-Hotspot entwickelt. Der Ort ist total überlaufen und bei der Suche nach einem Tisch in einem Restaurant hagelt es Absagen. Alles schon reserviert. Zum Glück gibt es noch das Restaurant im Hotel.

Tag 15

Endliche angenehme Temperaturen am Morgen. Es macht wieder richtig Spass, aufs Motorrad zu steigen. Erstes Ziel heute ist die Lahnscharte. Zumindest hoffe ich, es bis oben zu schaffen. Hier bin ich schon mehrmals am Schnee gescheitert. Die Mautstelle ist jedenfalls schon besetzt, aber bis ganz oben geht es scheinbar nicht. Trotzdem zahle ich die Maut und geniesse die kurvenreiche Strecke. Auf 1.900 m ist dann aber Schluss. Das letzte Stück bis zum Sattel ist wegen Lawinengefahr gesperrt.

Nach dem Grenzübertritt nach Italien fahre ich ohne grössere Pausen bis zum Misurinasee. Eigentlich ist Zeit für Mittagspause, aber ich möchte eigentlich nur einen Snack und weiss dafür die richtige Imbissbude. Leider stellt sich nach einer weiteren Stunde heraus, dass der Imbiss leider geschlossen hat. Letztlich mache ich am Jaufenpass eine späte ausgiebige Mittagspause, während andere Motorradfahrer schon beim Kuchen sind.

Auf dem gerade wenige Tage geöffneten Timmelsjoch ist die Hölle los. Also halte ich auf der Passhöhe gar nicht an, sondern geniesse die hohen Schneewände beiderseits der Strasse auf dem Weg zur Mautstelle. Im Inntal nehme ich kurz die Autobahn, meine digitale Vignette ist ja noch gültig. Da der Finstermünzpass wegen Baustelle gesperrt ist, muss ich kurz vor meinem Ziel Nauders noch einen kleinen Umweg machen.

Am frühen Abend komme ich in meinem Lieblingshotel, dem Hotel Edelweiss in Nauders an, beziehe mein Zimmer und geniesse ein sehr gutes Abendessen und den gewohnt freundlichen Service.

Tag 16

Schon früh mache ich mich nach dem Frühstück auf den Weg. Ich möchte auf dem Heimweg noch über das Stilfserjoch. Und das am besten, bevor alle anderen auch da fahren. Allerdings bin ich nicht früh genug dran, wie ich später merke. Und ich merke, dass für viele die Saison gerade erst begonnen hat. Ich hätte mir das Joch besser gespart. Aber auf dem Weg über den Umbrailpass hinunter ins Münstertal bin ich dann fast wieder alleine unterwegs.

Nach Ofenpass und Flüelapass setze ich mich bei Landquart auf die Autobahn und kurz nach Mittag zu hause.

Fazit

Nach 5.500 km in 16 Tagen bzw. 6.700 km in 20 Tagen bin ich froh, wieder zu hause zu sein. Eigentlich habe ich sehr viel Glück mit dem Wetter gehabt. Es hätte aber gerne jeden Tag 10 °C weniger sein dürfen.

Vom Balkan habe ich auf der Tour viel gesehen, aber es war dennoch nur ein Bruchteil dessen, was man dort sehen kann. Abgesehen von den wirklich miesen Fahrkünsten in Nordmazedinien, Albanien und Kosovo habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die meisten Leute waren sehr freundlich und hilfsbereit. Sprachlich gab es ab und zu Probleme, vor allem in Albanien.

Ich werde mir sicher die eine oder andere Ecke nochmal ansehen. Griechenland ist sicher eine eigene Reise wert. Albanien hat sehr schöne Ecken, wobei ich mir Durres und Tirana sparen werde. Nach Montenegro muss ich unbedingt nochmal. Und der Süden Serbiens sah auch ganz spannend aus. Mal sehen, wann es wieder in diese Richtung geht …