Rumänien Italien 2013

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Nachdem wir 2010 unsere Karpaten-Tour wetterbedingt abbrechen mussten, wollen wir es dieses Jahr nochmal versuchen. Der Termin ist ziemlich früh und es ist noch unsicher, ob die hohen Karpaten-Pässe schon schneefrei sein werden. Der Wetterbericht sieht aber seit ein paar Wochen sehr gut aus. Der Tour steht also nichts im Wege. Oder vielleicht doch?

Plötzlich sagt der Wetterbericht sintflutartige Regenfälle für Südost-Deutschland und Tschechien voraus. Und wir müssen genau da durch …

Hinein ins Mistwetter

Tag 1

Ich bin schon seit ein paar Tagen in Enkirch an der Mosel. So sind es bis zum McDonalds in Mülheim-Kärlich, wo ich mit Michael und Rainer verabredet bin, nur knapp 100 km. Rainer und ich sind pünktlich, Michael trifft wegen Navi-Problemen etwas verspätet ein. Um 10:30 Uhr machen wir uns bei bestem Wetter gemeinsam auf den Weg in Richtung Osten. Teils auf Autobahnen, teils auf Landstrassen umfahren wir das Rhein-Main-Gebiet und steuern dann, vorbei an Schweinfurt und Nürnberg, den Bayrischen Wald an.

Wie bereits befürchtet, wird die Wolkenwand vor uns immer höher und dunkler und schliesslich fängt es bei Temperaturen um nur noch 8 Grad an zu regnen. Wir beschliessen, unser heutiges Tagesziel auf direktem Weg anzusteuern. Der Regen sieht nämlich nicht so aus, als würde er in absehbarer Zeit nochmal aufhören.

Ab Weiden in der Oberpfalz nehmen wir die Autobahn bis nach Tschechien hinein. Eine halbe Stunde vor Pilsen hört der Regen plötzlich auf, sodass wir noch ein wenig trocknen können, bevor wir am frühend Abend im Best Western Hotel Panorama einchecken.

Tag 2

Das Wetter ist immer noch bescheiden. Es regnet wieder. In der Hoffnung, dass es irgendwann besser wird, machen wir uns auf den Weg. Es gibt zwar ab und zu mal kurze trockene Abschnitte, aber der Regen begleitet uns den ganzen Tag. Und das bei Temperaturen zwischen 6 und 10 Grad, also deutlich unterhalb des Wohlfühlbereichs. Zudem sind grossflächige Überschwemmungen aufgrund der Regenmengen der letzten Tage unsere ständigen Begleiter.

Ab Humpolec nehmen wir dann mal wieder den schnellen Weg über die bei uns eigentlich ungeliebte Autobahn. Aber wir wollen so schnell wie möglich ins Trockene. Es geht vorbei an Brünn bis nach Trsice östlich von Olomouc. Hier hatten wir uns online in einem Reiterhof eingemietet.

Vor Ort müssen wir feststellen, dass der Reiterhof nagelneu und niemand da ist. Nachdem wir uns telefonisch beim Vermieter melden, taucht dann doch jemand auf, der uns die Schlüssel für die Zimmer gibt. Beim Abendessen müssen wir improvisieren. Es gibt Bifi, Erdnüsse und Schokoriegel. Dazu für jeden von eine Flasche Bier.

Lieber Italien als Regen

Tag 3

Draussen regnet es wieder in Strömen. Und laut Wetterbeicht soll es auch noch 1-2 Tage auf unserem Weg so bleiben. Selbst für Rumänien hat sich die Vorhersage massiv verschlechtert. Gründe genug, die Planung einmal zu überarbeiten.

Beim Frühstück fällen wir dann den Entschluss, Rumänien für dieses Mal (mal wieder) zu streichen. Wir wollen aus dem Regen raus und Norditalien scheint dafür momentan der beste Ort zu sein. Also müssen wir erstmal zunächst nach Österreich. Die Gegend um Judenburg soll unser heutiges Ziel sein. Um flexibel bleiben zu können wird aber noch nichts vorgebucht.

Bei Olomouc nehmen wir zunächst wieder die Autobahn bis Brünn und biegen in Richtung Wien ab. Wien wollten wir eigentlich weiträumig umfahren, aber das führt uns kurz vor Sankt Pölten mitten in einen Wolkenbruch. So entschliessen wir uns, doch wieder die Autobahn zu nehmen. Unterwegs buchen wir übers Internet unsere heutige Unterkunft in Sankt Wolfgang bei Judenburg. Das Wetter ist inzwischen gut und die Fahrt über die Semmering-Autobahn macht sogar Spass.

Der Gasthof Seetalblick ist nicht leicht zu finden und hat auch wenig mit der Beschreibung im Internet gemeinsam, aber er liegt auf dem Weg zum guten Wetter und ist daher ideal für uns. Und das Essen ist auch o.k.

Tag 5

Die Flucht vor dem Regen ist zu Ende und der Urlaub fängt an. Hoffentlich. Jedenfalls soll die heutige Etappe mehr Spass machen als die letzten Tage zusammen. Michael hat einen Ort namens Caorle an der Adria-Küste gefunden und hält ihn für ein gutes Etappenziel. Also nichts wie hin.

Draussen ist es wolkig und kalt, aber es regnet nicht. Allerdings sind die Strassen noch nass. Daher fahren wir erstmal relativ verhalten über das Klippitztörl (1.650 m), den ersten Pass dieser Tour. Nachdem Klagenfurt hinter uns liegt, überqueren wir im Loibl-Tunnel die Grenze nach Slowenien.

Nach der Überquerung der Vrsic-Passes (1.611 m) machen wir in Bovec Mittagspause. Der Zeitpunkt ist perfekt, da während der Pause ein Gewitter durch das Tal zieht und wir trocken bleiben. Nach einer Fahrt durch das Soca-Tal verlassen wir hinter Kobarid Slowenien und kurz darauf die Alpen.

Der Rest des Nachmittages ist eher langweilig. Es gibt keine Berge mehr und somit auch keine Kurven. Daher fahren wir auf kürzestem Wege nach Caorle, quartieren uns im Hotel Venezia ein und schauen uns zum Abschluss des Tages noch den Ort an.

Tag 6

Die heute Etappe wird langweilig. Das steht am Morgen schon fest. Um von Caorle in den Apennin zu kommen, müssen wir die Po-Ebene durchqueren. Und die ist an der Adria-Küste mehr als 150 km breit.

Da Venedig sowieso am Weg liegt, statten wir der Lagunen-Stadt einen kurzen Besuch ab. Das heisst wir fahren über den Damm, machen eine kurze Pause und fahren wieder zurück ans Festland.

Die Hauptstrasse entlang der Adria-Küste scheint bei LKW sehr beliebt zu sein. Aber auch weiter im Hinterland hält sich das Fahrvergnügen in Grenzen. Nach der Mittagspause am Strand von Porto Corsini fahren wir mit der Fähre nach Marina di Ravenna. Dann wird es wieder langweilig.

Der Apennin taucht vor uns auf. Aber über ihm türmen sich dicke Wolken auf und es sieht nach Regen aus. Aber es bleibt trocken und die letzten 45 km entschädigen  für die eintönige Anreise. Über kleine Strassen mit endlosen Kurven erreichen wir schliesslich San Marino. Der Weg zur Unterkunft führt uns direkt hinein in die Altstadt.

Nachdem wir im Hotel Rosa eingecheckt und die Motorräder in der Tiefgarage verstaut haben, erkunden wir die Altstadt von San Marino. „Mann, ist das geil hier“ war der meistgenutzte Spruch an diesem Abend. San Marino ist einfach wunderschön: die Altstadt, die Aussicht von der Burg direkt oberhalb des Hotels, einfach alles.

Tag 7

Am Morgen zieht es mich früh aus dem Bett. Ich will mir den Sonnenaufgang anschauen. Bis zum Aussichtspunkt brauche ich keine 5 Minuten und geniesse die Aussicht auf die Adria-Küste.

Die Tour heute ist ganz einfach zusammenzufassen: Kurven, Kurven, Kurven … Bei bestem Wetter erkunden wir die Hügel des Apennin. Die kleinen Strassen sind i.d.R. in gutem Zustand und so haben wir den ganzen Tag Spass. Auch wenn sich meine beiden Mitfahrer immer wieder über ihre Reifen beschweren. Der Heidenau K60, eigentlich für rumänische Naturstrassen ausgewählt, fährt halt anders als ein reiner Strassenreifen.

Am Abend sind wir wieder zurück in San Marino, geniessen nochmal die schöne Umgebung und planen den nächsten Tag.

Tag 8

Es geht weiter in den Süden. Und das ist eigentlich auch der einzige Unterschied zur Tour gestern. Die Strassen gleichen sich, machen dadurch aber auch alle sehr viel Spass. Die Landschaft ist nett, wenn auch ohne spektakuläre Ausblicke. Insgesamt ein tolle Gegend, um das zu tun, warum wir losgefahren waren: Motorradfahren.

Zufällig (auch wenn er das Gegenteil behauptet) findet Michael ein kleine Furt und wir spielen ein wenig mit unseren GSen im Wasser. Die Abkühlung tut gut bei den sommerlichen Temperaturen.

Am späten Nachmittag zieht es uns an die Küste. Wir sind schon ein paar Tage in Italien und eines fehlt: Eis. In Alba Adriatica finden wir nach einiger Sucherei eine Eisdiele in Strandnähe mit Parkplatz vor der Tür. Dann sind es nur noch ein paar Kilometer bis zu unserer gebuchten Unterkunft: Le Grotte dei Saraceni.

Am Abend entdecken wir etwas seltsames: am Horizont sind Berge zu sehen. Keine Hügel, sondern Berge mit Schnee darauf. Somit steht das Ziel der Tour morgen fest: Gran Sasso.

Tag 9

Da Rainer schwächelt und nur eine kleine Tour fahren möchte, mache ich mich mit Michael alleine auf den Weg. Nachdem diverse italienische Sonntagsfahrer vergeblich versucht haben, uns umzubringen, erreichen wir hinter Campovalano die Berge.

Die Strassen hier sind noch extremer als das, was wir in den letzten Tagen hatten: noch schmaler, noch kurviger und leider mit teilweise riesigen Schlaglöchern. Mit entsprechender Vorsicht kann man das aber durchaus geniessen. Eine Zeit lang. Irgendwann wünsche ich mir so etwas wie eine Hauptstrasse.

Nach Tausenden von Kurven wird der Wunsch zur Realität. Die Strassen werden breiter und wir kommen wieder etwas zügiger voran. Am Lago di Campotosto machen wir kurz Kaffeepause. Dann erwischt uns der Regen. Nur kurz, aber doch so heftig, dass ich mir die Goretex-Membran in die Jacke fummele.

Obwohl die Strassen jetzt nass sind, macht die Fahrt hinauf zum Campo Imperatore jede Menge Spass. Wir kommen immer höher und bei einem Abstecher in eine Seitenstrasse stehen wir plötzlich an der Bergstation der Seilbahn, die wir vor rund einer Stunde vom Tal aus gesehen haben. Die Landschaft hier oben ist einmalig. Nach der Fahrt über den Vado di Sole (1.620 m) geht es auf kleinen Strassen wieder zu unserer Unterkunft.

Tag 10

Rainer und Michael haben geplant, von nun wieder Richtung Norden zu fahren und den Autoreisezug ab Alessandria zu nehmen. Um nicht viel zu früh wieder zu hause zu sein, gehen meine Pläne in die andere Richtung. Ziel: Sizilien.

Solo in den Süden

Nach dem Frühstück trennen sich unsere Wege. Ich, ab jetzt alleine unterwegs, steuere zunächst nochmal den Campo Imperatore an. Die Gewitterwolken über den Bergen lassen mich zum Glück in Ruhe. Über den Valico di Capo la Serra (1.600 m) verlasse ich das Plateau südwärts.

Bei der Fahrt durch den Majella-Nationalpark probiere ich mal eine der zahlreichen Strassen aus, die mit „Strada Interrotto“ (Strasse unterbrochen) gekennzeichnet sind. Sie ist im Prinzip fahrbar, aber in den zahlreichen Schlaglöchern könnte man problemlos einen Kleinwagen verstecken Aber es gibt immer wieder schöne Ausblicke und logischerweise fast keinen Verkehr.

Irgendwann stosse ich auf eine Hauptstrasse. Trotz gutem Zustand ist hier Tempolimit 50. Dummerweise hält sich niemand daran und wenn man es selbst machen würde, begibt man sich in akute Lebensgefahr. Also schwimme ich im Verkehr mit.

Am späten Nachmittag erreiche ich meine heutige Unterkunft, das Hotel La Fonte dell‘ Astore und checke für eine Nacht ein.

Nach längerem Überlegen und ausgiebiger Recherche im Internet beschliesse ich, nicht wie geplant nach Apulien zu fahren. Stattdessen will ich am Freitag (heute ist Montag) die Fähre von Sizilien nach Malta erwischen. Also muss ich ziemlich zügig in den Süden.

Auf dem Weg in den Süden möchte ich nicht die Gelegenheit verpassen, mir den Vesuv aus der Nähe anzusehen. Und die Amalfiküste soll auch einen Besuch wert sein. Und auf dem Weg dorthin gibt es wieder jede Menge Kurven.

Unterwegs entdecke ich in der Ferne eine seltsame Brücke und beschliesse, sie mir mal aus der Nähe anzusehen. Der Karolinische Aquädukt ist eine beeindruckende Konstruktion aus dem Jahr 1762. Kurz darauf sehe zum ersten Mal Neapel und den Vesuv.

Da ich aber nicht durch die Grossstadt fahren möchte und gerade erst Mittag ist, mache ich noch einen grösseren Umweg und kämpfe mich dann durch die Vororte von Neapel zum Vesuv durch. Das ist wegen des Verkehrs und der überall herumliegenden Abfalls kein Vergnügen.

Die Auffahrt zum Vesuv ist dagegen ein Genuss. Die Ausblicke auf Neapel und das Meer sind wirklich sehenswert. Enttäuschend ist dagegen das Ende der Strasse. Ein vergammelter Parkplatz mit ein paar heruntergekommenen Verkaufsständen. Nichts, wo man sich lange aufhalten möchte.

Nach der Abfahrt dann das perfekte Chaos: Feierabendverkehr am Stadtrand von Neapel. Das Navi kann man vergessen, die Einbahnstrassen stimmen nicht. Also orientiere ich mich konservativ an den Schildern und versuche, mit der voll beladenen GS im Gewusel der Motorroller mitzuhalten.

Die letzten Kilometer hinauf nach Agerola sind dann wieder ein Genuss. Im B&B Divina Costiera werde ich von der freundlichen Besitzerin mit Kuchen und Saft empfangen. Danach beziehe ich mein Zimmer und plane die nächsten Tage.

Tag 11

Heute bin ich ziemlich früh unterwegs. Zuerst geht es nordwärts an die Küste mit schönem Blick auf den Vesuv. Kurz vor Sorrento biege ich ab und habe schnell die Amalfi-Küste erreicht. Die Landschaft ist wunderschön, aber der Verkehr raubt mir den letzten Nerv.

Viel länger als geplant brauche ich bis Salerno und fahre erst einmal auf die Autobahn. Auf Stadtverkehr habe ich jetzt gar keine Lust. Nach einigen langweiligen Kilometern komme ich wieder in die Berge. Ich fahre zwar auf einer Schnellstrasse, aber die Ausblicke zur Küste sind wirklich nett.

Ab Sapri geht es dann richtig in die Berge. Ich bin wieder auf kleinen kurvigen Strassen unterwegs und das Motorradfahren macht wieder uneingeschränkt Spass. Auch hier gibt es wieder die eine oder andere Strasse, die eigentlich gesperrt ist. Aber alle lassen sich mit entsprechender Vorsicht befahren. Nach endlosen Kurven erreiche ich dann wieder die Küste.

Da ich entgegen meiner Befürchtungen doch recht früh dran bin, lege ich auf dem Weg zum Hotel noch einen kleinen Abstecher in die Hügel ein. Am frühen Abend erreiche ich dann meine Unterkunft, das Grand Hotel La Tonnara am Strand von Amantea.

Tag 12

Das heutige Ziel heisst Sizilien. Und das ist gar nicht mehr so weit weg. Daher mache ich mich erstmal wieder auf den Weg in die Berge. Leider werden die Strassen immer schlechter, je weiter man in den Süden kommt. Die Schlaglöcher lassen teilweise nur Schritttempo zu. Deshalb fahre ich früher als geplant wieder an die Küste.

Beschilderung von Umleitungen scheint nicht zu den Stärken der Kalabresen zu gehören. Ich folge mehrmals den Schildern und strande jedesmal im Nichts. Letztlich hilft mir nur eine sehr kreative Interpretation der Verkehrsregeln und ich befinde mich endlich in der richtigen Richtung auf der Autobahn nach Villa San Giovanni.

Am Ortseingang von Villa San Giovanni ist die Beschilderung etwas unübersichtlich. und prompt sehe ich die Zufahrt zum Ticket-Schalter zu spät. Egal, erstmal in Richtung Hafen und ein wenig umsehen. Dann fahre ich zurück, hole bei einem extrem unfreundlichen Scheintoten mein Ticket (13 €) und stehe kurz darauf wieder an der Hafeneinfahrt. Etwas erstaunt stelle ich fest, dass es hier auch einen Ticket-Schalter gibt.

Nach 30 Minuten Wartezeit können die Wartenden endlich auf die Fähre und um 14:15 Uhr macht sich das Schiff auf die 15minütige Überfahrt nach Messina. Die Stadt ist nicht besonders ansehnlich und ich suche mir den schnellsten Weg ins Hinterland. Ich finde nach einer kurvigen Auffahrt einen Aussichtpunkt 467 Meter über dem Meer mit tollen Blick auf die Strasse von Messina.

Jetzt muss ich aber Gas geben. Bis zum Hotel bei Siracusa sind es noch 175 Kilometer. Deshalb nehme ich wieder die Autobahn. Der Ätna versteckt sich im Dunst, als ich an ihm vorbei fahre. Kurz vor Siracusa bietet sich aber dann doch noch eine schöner Ausblick auf diesen, im Vergleich zum Vesuv, beeindruckenden Vulkan.

Das Best Western Hotel Siracusa liegt in einem Gewerbegebiet und mein Zimmer bietet einen faszinierenden Ausblick auf eine schäbige Bauruine. Aber das Zimmer ist in Ordnung und schliesslich will ich nur zweimal hier übernachten.

Tag 13

Am Morgen geht’s ohne Frühstück los. Die Fähre nach Malta geht um 9:15 Uhr und ich muss 90 Minuten vorher einchecken. Also sitze ich um 6:30 Uhr auf dem Motorrad und fahre auf schnellstem Weg die 73 Kilometer nach Pozzalo. Nach dem Check-In heisst es erstmal Warten.

Die Jean de la Valette ist ein Katamaran, dem man von aussen gar nicht ansieht, wie gross er eigentlich ist. Daher wundere ich mich, wie viele Fahrzeuge die Fähre verlassen, bevor ich an Bord fahren kann. An Bord wird die GS professionell gesichert. Dann geht es mit etwas Verspätung los. Endlich gibt es auch Frühstück.

Nach der 90minütigen Überfahrt erreicht die Fähre den beeindruckenden Naturhafen von Valletta. Nach dem Anlegen verlasse ich schnell die Fähre und bekomme direkt einen kleinen Schock. Linksverkehr? Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Aber ich habe ja letztes Jahr in Schottland genug geübt.

Allerdings ist die Kombination aus Linksverkehr und süd-italienischer Fahrweise eine besondere Herausforderung. Hinzu kommt noch, dass das Navi wieder falsche Infos liefert und die Ortsnamen auf den Schildern nicht zu den Ortsnamen im Navi passen. Ich beschliesse, mich in Richtung Gozo zu orientieren, da Maltas Nachbarinsel definitiv ausserhalb Vallettas liegen muss.

Es dauert ungefähr eine halbe Stunde, bis ich „auf dem Land“ bin. Maltas Nordküste präsentiert sich als karge Steinwüste mit sehr wenig Grün und grossen Hotelanlagen in den Buchten. Hinzu kommt der allgegenwärtige Müll, der überall herumliegt. Nichts, was mich verleiten könnte, hier länger Urlaub zu machen.

Zunächst halte ich mich weiter in Richtung Gozo und fahre bis kurz vor den Fährhafen. Dann fahre ich entlang der beeindruckenden Steilküste im Süden der Insel. Nachdem ich ein paar Geocaches gefunden habe, mache ich mich durch den Osten der Insel auf den Rückweg zu Hafen.

Zurück in Valletta habe ich wieder ausgeprägte Orientierungsprobleme. Die Beschilderung endet irgendwo im Nirgendwo und das Navi leitet mich immer wieder in die Irre. Dann fällt mir ein, dass am Mittag ein Kreuzfahrtschiff im Hafen lag und der Fährhafen nicht weit davon entfernt war. Also folge ich der Beschilderung „Passenger Terminal“, finde relativ schnell die Costa Favolosa und etwas später auch die Jean de la Valette. Ich bin zwar 30 Minuten zu früh dran, kann aber direkt an Bord fahren und sichere mir einen Sitzplatz vorne am Fenster.

Pünktlich um 18 Uhr geht es los. Die Überfahrt nutze ich, um mir wieder ein Baguette an der Bar zu kaufen. Dann muss ich am Abend im Hotel nicht mehr ins Restaurant. Wie am Morgen ist das Meer ruhig und der Katamaran gleitet ruhig mit bis zu 68 km/h über das Wasser.

Nach der Ankunft in Pozzalo mache ich mich wieder auf direktem Weg zum Hotel bei Siracusa. Um 21 Uhr bin ich nach einem interessanten Tag (endlich) wieder zurück im Hotel.

Tag 14

Der landschaftlich eher unspektakuläre Süden Siziliens und die seit Tagen sehr sommerlichen Temperaturen sind der Grund, warum ich mich jetzt erstmal wieder nordwärts wende. Die Gegend um den Ätna sieht auf der Karte sehr vielversprechend aus.

Aber um dorthin zu kommen, habe ich noch einige Kilometer vor mir. Sizilien ist ziemlich gross. Und die immer wieder auftretenden Strassensperren verlängern die geplante Route noch mehr. Im Landesinneren steigt die Temperatur teilweise auf über 40°C. Ich bereue, nicht einfach entlang der Küste gefahren zu sein.

Immer den Ätna im Blick quäle ich mich regelrecht zu meinem heutigen Ziel. Ich bin heilfroh, als ich am frühen Abend das Agri-Hotel da Marianna in Santa Domenica Vittoria erreiche. Hier habe ich mich für die nächsten 3 Nächte einquartiert.

Nach dem “Stress” der letzten Tage ist heute mal ein Ruhetag angesagt. Nur eine Runde um den Ätna und dann relaxen. Zumindest ist so der Plan. Daher mache ich mich auch erst um 11 Uhr auf den Weg.

Die Strassen rund um den Vulkan sind überwiegend in guten Zustand. Allerdings wird überall vor Sabbia Vulcanica (Vulkanasche) gewarnt. Heute sind die Strassen aber weitestgehend sauber.

Auf der Nordost-Seite führt eine Strasse bis auf rund 1.750 m. Auch die kleinen Nebenstrassen, die meistens zu kleinen Wanderparkplätzen führen, lohnen sich. Nach einem Abstecher zur Küste und einem kurzen Einkauf im Supermarkt (ich brauche dringend Getränke) schaue ich mir die Südseite des Ätna an.

Ein kurzer Ausflug auf eine Naturstrasse zeigt, dass die GS nicht unbedingt das richtige Gefährt für Strassen aus Vulkanasche ist. Die asphaltierten Strassen machen aber auch sehr viel Spass. Die höchste Stelle erreiche ich bei 1.910 m in der Nähe der Seilbahn. Auch auf dieser Seite gibt es interessante Sackgassen, die man sich anschauen sollte.

Die ganze Tour dauert länger als gedacht und so bin ich erst gegen 18 Uhr wieder zurück in der Unterkunft. Ein Ruhetag war das nicht. Aber morgen ist ja auch noch ein potentieller Ruhetag.

Tag 15

Ruhetag 2. Versuch. Ich mache mich wieder ziemlich spät auf den Weg. Eigentlich dumm, weil ich so die kühlen Temperaturen am Morgen nicht nutzen kann. Aber schliesslich will man im Urlaub auch mal lange schlafen.

Ich fahre nochmal ein Stück am Nordhang des Ätna entlang und biege dann ab nach Norden. Über den Portella Mandrazzi (1.125 m) erreiche ich auf der kurvenreichen SS185 die Nordküste bei Tonnarella.

Eine richtige Küstenstrasse gibt es hier nicht. Die Hauptstrasse führt hoch über der Küste an der Bergflanke entlang. So habe ich fast immer Blick auf das Meer und die Liparischen Inseln vor der Küste. Erst ab Gioiosa Marea führt die Strasse wieder unten an der Küste entlang.

Bei Brolo biege ich wieder in Richtung Süden ab. Die kleine Strasse windet sich durch das Tal und schliesslich komme ich über eine tolle Bergstrasse hinauf zur Hauptstrasse, die zum Portella di Zoppo (1.264 m) führt. Da es noch früh ist, mache ich noch einen kleinen Schotter-Ausflug.

Um 16:30 bin ich dann nach knapp 200 km wieder zurück in der Unterkunft und nutze den restlichen Tag zum Entspannen.

Tag 16

Da morgen Abend meine Fähre ab Palermo geht, muss ich mich langsam in Richtung Westen bewegen. Aber zuerst geht es wieder über den Portella di Zoppo zur Nordküste.

Nach einem Stück entlang der Küste wende ich mich wieder in Richtung Süden. Über den Passo dei Tre (782 m) komme ich zum Portella Femmina Morta Miraglia (1.524 m). Hier zweigt eine zunächst noch asphaltierte Strasse in Richtung Monte Soro ab. Ich folge der Strasse ein Stück bis auf den geschotterten Teil. Aber mit den ganzen Gepäck verkneife ich mir die Fahrt zum Gipfel. Aber ich merke mir die Stelle für eventuelle spätere Besuche.

Ab San Teodoro wird die Strecke wieder flacher. Ein paar Teilstücke bin ich vor 3 Tagen schon gefahren. Die Strasse über den Sella del Contrasto (1.107 m) ist wieder eine der zahlreichen „Strada Interrotto“, was mich aber nicht davon abhält, sie zu befahren. Aufgrund umfangreicher Bauarbeiten an der Strasse liegt stellenweise viel Dreck  herum. Aber es gibt genug Teilstücke, wo man richtig viel Spass haben kann.

Wieder an der Küste angekommen fahre ich in Richtung Cefalù. Da aber noch genug Zeit ist und noch ein Geocache in der Nähe liegt, mache ich noch einen kleinen Umweg über den Portella di Montenero (298 m).

Bereits um 16:30 Uhr checke ich im Hotel Kalura in Cefalù ein. Mir ist es einfach zu warm draussen. Daher relaxe ich erstmal im klimatisierten Zimmer mit Blick auf die Küste und begebe mich erst am Abend wieder an die frische Luft, als diese deutlich abgekühlt ist.

Tag 17

Es ist schon wieder extrem heiss und eigentlich bin ich zu faul zum fahren. Aber ich muss heute noch nach Palermo. Ich geniesse das klimatisierte Zimmer so lange wir möglich und mache mich erst um 11 Uhr auf den Weg.

Ich fahre schnellstmöglich hinauf in die Hügel. Aber kühler wird es hier oben nicht. Nachdem ich den Portella di Mandarini (1.206 m) überquert habe, finde ich am Strassenrand einen schattigen Parkplatz. Das Thermometer zeigt angenehme 26 °C und ich beschliesse, eine ausgiebige Pause zu machen. Ich mache es mir auf der GS bequem und schlafe erst einmal eine Stunde. Irgendwann mache ich mich dann doch wieder auf den Weg.

Der Portella Colla ist der höchste Punkt des Tages. Hier gibt es tatsächlich ein Skigebiet. Ein paar Schneereste fände ich jetzt gar nicht so übel. Über kurvige Strassen bewege ich mich langsam wieder zur Küste. Am Meer ist es noch am angenehmsten. Darum verzichte ich auf weitere Abstecher ins Landesinnere.

Kreuzfahrt zum Schluss

Über Termini Imerese komme ich um 17:30 Uhr nach Palermo und finde auch ohne Probleme den Hafen. Im Hafen aber das Ticket-Büro von GNV zu finden ist nicht so einfach. Letztendlich checke ich an der LKW-Zufahrt ein. Hauptsache ich habe ein Ticket.

Kurz darauf läuft die La Suprema ein. Das Entladen der Fähre dauert ewig und so kann ich erst nach 90 Minuten Wartezeit endlich an Bord. Die zahlreichen Motorräder werden in 4er-Reihen abgestellt. Wie sie gesichert werden, ist nicht zu erkennen. Und so lange will ich auch nicht warten.

Mich zieht es in meine Kabine. Ich habe mir wegen der langen Überfahrt (21 Stunden) eine Suite gegönnt. Diese liegt direkt hinter der Brücke, hat einen Schlaf- und einen Wohnbereich und einen Balkon.

Etwas unpassend sind die Öffnungszeiten des Restaurants. Dieses schliesst bereits um 21 Uhr, also gleichzeitig mit dem Auslaufen des Schiffs. Also schnell Duschen, Umziehen und ab zum Essen. Danach geniesse ich noch lange den Abend auf meinem Balkon.

Tag 18

Die Nacht ist sehr ruhig und ich bin halbwegs ausgeschlafen. Frühstück gibt es in der Kabine, weil ich mir das Gedränge am Buffet nicht antun möchte. Den Rest des Tages verbringe ich mal an Deck, aber meistens in der Kabine. Draussen in der Sonne ist es mir zu heiss und auf meinem Balkon ist Schatten.

Um 15:30 Uhr kommt über die Lautsprecher die Aufforderung, die Kabine bis spätestens 16 Uhr zu räumen. Angeblich aus Sicherheitsgründen. Aber eigentlich wird die Zeit benötigt, die Kabinen für die nächste Überfahrt vorzubereiten.

Die Passagiere sammeln sich in den Bars und Restaurants und müssen insgesamt 2 1/2 Stunden warten. Leider hat man keine Chance, nach draussen zu schauen. Daher ist es extrem langweilig. Als wir in Küstennähe sind, schaffe ich es, mit dem Smartphone das bereits reservierte Hotel in Genua zu stornieren. Ich will heute noch nach hause.

Nachdem wir gegen 18:30 Uhr endlich angelegt haben, werden wir aufs Parkdeck gelassen. Die Motorräder sind schon wieder frei von Spanngurten. Ob da je welche dran waren? Ich packe meine Sachen und verlasse das Schiff.

Auf kürzestem Weg fahre ich zur Autobahn. In einem Tunnel fällt mir auf, dass mein Scheinwerfer nicht leuchtet. Also an der nächsten Tankstelle raus und Lampe gewechselt. Unterwegs wird dann noch getankt und bei Mc Donalds ein schnelles Abendessen verdrückt.

Kurz vor Mailand sehe ich die ersten Blitze am Horizont. Aber ich bin noch optimistisch, dem Gewitter ausweichen zu können. Je weiter ich aber nach Norden komme, desto breiter erscheint die Gewitterfront. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich nass werde.

Der erste Tropfen fällt, als ich bei Chiasso die Grenze zur Schweiz überquere. Und es werden rasch mehr. Am Monte Ceneri dringen dann die ersten Regentropfen durch den Anzug, sodas ich anhalte und die Goretex-Membran in den Anzug fummele.

Am Gotthardtunnel ist die Temperatur auf 12 °C gesunken und es wird allmählich ungemütlich. Der Rest der Fahrt geht im Regen über Axenstrasse, A4 und durch den Gubrist-Tunnel. Kurz nach Mitternacht bin ich klatschnass und ziemlich ausgekühlt wieder zu hause.

Ich war zwar schon wieder nicht in den Karpaten, aber offensichtlich kann man in Italien auch einen tollen Motorrad-Urlaub erleben. Wenn ich eine solche Tour noch einmal mache, werde ich mir Malta verkneifen und mir dafür Kalabrien intensiver anschauen. Und Apulien. Und … Und … Und …